Museum der Bayerischen Geschichte – Bau soll 2015 beginnen

Von der konstitutionellen Monarchie hin zu einem der führenden Wirtschaftsstandorte mit besonderer Lebensqualität: Bayern hat in den vergangenen zweihundert Jahren eine rasante Entwicklung hinter sich gebracht, rangiert heute als Industrie- und Technologiestandort weltweit auf Platz Zwei[1] und ist Tourismusland Nummer Eins in Deutschland[2]. Doch was macht die Marke Bayern aus? Wie ist der Freistaat zu dem geworden, was er heute ist? Vor dieser Fragestellung wird unter der Federführung des Hauses der Bayerischen Geschichte für das künftige Museum der Bayerischen Geschichte eine einzigartige Ausstellung konzipiert. Sie wird sich inmitten der Kulisse der historisch bedeutsamen Stadt Regensburg in einem die vielseitige Regensburger Stadtsilhouette wiederspiegelnden Museumsbau abspielen, der modernste technische Standards für ein „Museum der Zukunft“ bietet. Eine besondere Rolle wird dabei der „Bavariathek“ zukommen, dem neuen digitalen Gedächtnis Bayerns, das die mediale Überlieferung bündelt und insbesondere Schulklassen die Möglichkeit bietet, daraus eigene Produktionen – von klassischen Ausstellungen bis zu modernen App-Anwendungen – zu konzipieren.

© Haus der Bayerischen Geschichte

Das Museum der Bayerischen Geschichte wird sich neben den Bayerischen  Landesausstellungen zur zweiten großen Kernkompetenz des Hauses der Bayerischen Geschichte mit Sitz in Augsburg entwickeln. Seit über 30 Jahren zeigt sich das Haus in jedem Jahr mit einem neuen Thema in einer anderen Region Bayerns, wie zum Beispiel im Jahr 2015 mit „Napoleon und Bayern“ im Bayerischen Armeemuseum im Neuen Schloss in Ingolstadt. Ab 2018 kommt mit dem Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg eine feste Station hinzu. Die Eröffnung der neuen Kultureinrichtung wird der Ankerpunkt der Feierlichkeiten des Jubiläums „100 Jahre Freistaat Bayern“ sein.

18.19.20 – Geschichte weiß-blau von 1800 bis heute

Mit seiner Zeitreise wird das neue Museum an die Monumente der Stadt Regensburg anknüpfen und zusammen mit diesen einen Gesamtüberblick über die bayerische Geschichte von den römischen Wurzeln bis heute bieten. Im neuen Museum selbst wird es um die jüngere Geschichte gehen, aber auch um die älteren Traditionen, soweit sie wirkmächtig für die jüngere Vergangenheit und Gegenwart sind. Als wichtigstes Gestaltungselement nimmt das Museum das „Geschichtstheater“ auf, nachdem den Bayern eine besondere Affinität zur Bühne und zum Theatralischen nachgesagt wird. Ein Geschichtsband führt durch die Ausstellung. Aus dem Zeitstrahl werden besonders wichtige und prägende Ereignisse herausgegriffen und auf Bühnen inszeniert. Hinzutreten Kulturräume mit im weitesten Sinn kulturellen Erscheinungen, die besonders mit Bayern verknüpft werden. Hier werden die Klischees mit den Realitäten konfrontiert. Das Detailkonzept wird derzeit entwickelt und im nächsten Jahr vorgestellt.

Für die Ausstellungsgestaltung zeichnet das Szenografiebüro HG Merz verantwortlich. Projekte wie das Tiroler Landesmuseum in Innsbruck, das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart und das Ruhr Museum Zeche Zollverein in Essen tragen die Handschrift des Stuttgarter Büros, das im Jahr 2013 als Gewinner der europaweiten Ausschreibung für das Museum der Bayerischen Geschichte hervorgegangen ist. Mit 3D-Projektionen, verschiedenen Medieninstallationen und einem medial geführten Rundgang durch die Dauerausstellung ist der Einsatz modernster Technik mit vielen Spannungseffekten vorgesehen.

Ein moderner Museumsbau vor historischer Kulisse

Im Jahr 2013 konnte das Frankfurter Planungsbüro wörner traxler richter den  internationalen Architektenwettbewerb für sich entscheiden, an dem sich  254 Büros beteiligt hatten. Ausschlaggebend für die Jury war die gelungene Auseinandersetzung mit dem städtebaulichen Kontext der Regensburger Altstadt sowie die flexiblen Nutzungsmöglichkeiten.

© Haus der Bayerischen Geschichte

Die Konzeption greift städtebaulich die Lage des ehemaligen Hunnenplatzes und der Eschergasse im Gebäude wieder auf. So verbindet das gebäudehohe Foyer die Altstadt mit der Donauseite und integriert den Hunnenplatz – eine besondere Transparenz wird dabei über die gläserne Decke geschaffen. Dieser Teil des Museums wird kostenfrei zugänglich sein und sich in das öffentliche Stadtleben für Fußgänger integrieren.

Das Erdgeschoss des Gebäudes wird für das Museum zentrale Funktionen erfüllen: Es bietet Platz für eine bayerische Wirtschaft, den  Museumsladen und für eine Sonderfläche von 1.000 Quadratmetern, die für Wechselausstellungen und Veranstaltungen aller Art genutzt werden kann. Die Dauerausstellung befindet sich im Obergeschoß des Gebäudes, 2.500 Quadratmeter stehen hier zur Verfügung. Für die Bavariathek als Medienarchiv, Medienproduktions- und Forschungseinrichtung ist ein eigener Bau neben dem Museum vorgesehen.

© Haus der Bayerischen Geschichte

Ein besonderes Augenmerk der Planer gilt der Gestaltung der  Dachlandschaft, die sich mit unterschiedlichen Höhenentwicklungen in die Silhouette des Regensburger Stadtbildes einfügen wird. Dass modern zu historisch gewachsen passt, hat auch die UNESCO bestätigt: das Welterbe-Zentrum hat den  Plänen des Museums im Sommer 2014 zugestimmt.

© Haus der Bayerischen Geschichte

Der Bau kann beginnen

2014 werden auf der Baustelle am Donaumarkt die Archäologen ihre Arbeit beenden, so dass der Bau des Museums der Bayerischen Geschichte 2015 begonnen werden  kann. Voraussichtlich Mitte nächsten Jahres wird die Grundsteinlegung stattfinden.

Bürger zum Mitmachen aufgefordert

Gut erhaltene und überlieferte Preziosen, die Gesellschafts- und Kulturgeschichte dokumentieren und erzählen, werden für das Museum der Bayerischen Geschichte laufend gesucht. Die Schatzkammer des künftigen Museums konnte innerhalb von zwei Jahren durch die beinahe schon dedektivische Arbeit des Museumsteams sowie über Sammelaufrufe und die Schenkungsbereitschaft vieler Bürgerinnen und Bürger Bayerns mit fast 1.000 Objekten befüllt werden. Darunter zum Beispiel Utensilien eines Arbeiters vom Bau der Walhalla in Kelheim, ein Parfumflakon König  Ludwigs II., ein Sanitätsschlitten aus dem Ersten Weltkrieg, Hochzeitskleider aus Fallschirmseide aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und die Eismaschine eines italienischen Einwanderers, der damit Anfang der 1970er Jahre eine Eisdiele im Bayerischen Wald eröffnete.

Es werden auch weiterhin  Exponate und  Geschichten gesucht: Erinnerungen an Urgroßeltern und Großeltern, Erinnerungen an die Nachkriegszeit, an die Zeit des Wiederaufbaus und an Ereignisse der jüngsten Vergangenheit, wie zum Beispiel das Hochwasser im Jahr 2013. Alle, die Objekte der Zeitgeschichte verwahren und diese an einem sicheren Ort wissen wollen, sind aufgerufen, sich beim Museums-Team zu melden, zur ersten Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an museum@hdbg.bayern.de. Ob als Objekt in einer Ausstellung oder als Foto in einer gedruckten oder digitalen Publikation – die Verwendungszwecke für die Objekte im Sammlungsbestand für das Museum der Bayerischen  Geschichte sind vielfältig.