Kooperation zwischen Theater Regensburg und Bayernwerk AG verlängert

Eine Partnerschaft der besonderen Art besteht zwischen dem Theater Regensburg und der Bayernwerk AG seit der Spielzeit 2014/15. Seitdem – und noch mindestens 3 weitere Jahre – ermöglicht die Bayernwerk AG dem Jungen Theater Regensburg eine zusätzliche Theaterpädagogen-Stelle. Im Jungen Theater trafen sich am heutigen Mo., 27.6.2016 Intendant Jens Neundorff von Enzberg, Reimund Gotzel, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG und Dr. Daniel Thierjung (Theaterpädagoge und Dramaturg im Jungen Theater) zum Gespräch über neue Modelle des Kultursponsorings und die Bedeutung der
frühen kulturellen Teilhabe.

Ein kommunistisches Känguru, den Kapitalismus verachtend und kostenlosen öffentlichen Nahverkehr (und E-Werke!) fordernd machte den unterhaltsamen Einstieg – in Form einer szenischen Lesung von Daniel Thierjung. Die Kooperationspartner Neundorff von Enzberg und Gotzel stießen hinzu und erläuterten, was in der Theaterlandschaft Seltenheitswert hat: Theater Regensburg und Bayernwerk AG suchten eine Ergänzung zum klassischen Stücksponsoring und einigten sich auf die Förderung der Stelle eines Theaterpädagogen.

Daniel Thierjung, der eben diese Stelle seit 2014 inne hat, engagiert sich seinerseits mit Angeboten für Bayernwerk-Mitarbeiter und deren Kinder. Darüber hinaus sollen mit der neuartigen Kooperation Bewusstsein und Öffentlichkeit für die Junge Sparte im Allgemeinen geschaffen werden. Eine Sparte, die zwar überregional in den Feuilletons kaum Beachtung findet, laut Neundorff aber statistisch die meisten Uraufführungen auf die Bühne bringt und ein kultureller Wegbereiter von enormer Wichtigkeit ist. Nur 50% der deutschen Bevölkerung besuchen öffentlich geförderte Kulturinstitutionen, so Neundorff, eine aktuelle Studie von Thomas Renz (Universität Hildesheim) zitierend. Erwiesenermaßen wird das grundlegende Interesse an Kunst und Kultur schon in der Kindheit und Jugend geprägt. Eine Schwellenangst tritt nur dann auf, wenn Verständnisschwierigkeiten befürchtet werden. Insbesondere die Themen im Jungen Theater aber bestechen durch ihren zeitgemäßen Zugriff von aktuellen Themen („I´m afraid of what you do in the name of your god“ zu Lessings Ringparabel, „Homevideo“ über Cybermobbing).

Das kulturelle Verständnis der Bayernwerk AG ist, so Gotzel, breit gefasst. Das Unternehmen mit über 100 Jahren Tradition in der Region weiß um die Bedeutung einer attraktiven Stadt für die eigenen Mitarbeiter – und um die Wichtigkeit ihrer Strahlkraft in die Region. Dazu gehört auch ein starkes Theater. Das auf große Nachhaltigkeit angelegte Arbeiten verbindet Theater und Energieversorger. Bayernwerk vergibt seinen „Kulturpreis Bayern“ im inzwischen 11. Jahr, mit dem „Kinderbibliothekspreis“ wird Leseförderung betrieben, damit sich Kinder „mit Sprache ihr Leben erschließen“ können (Gotzel).

Kooperation mit 26 Schulen aus Regensburg und der Region

Die seit 2014 existierende Stelle von Thierjung ermöglicht vor allem die Koordination des in Bayern einmaligen Projekts „Dein:THEATER“ – eine 2012/13 ins Leben gerufene Kooperation mit inzwischen 26 Schulen und ca. 7.500 Schülern aus
Regensburg und der Region. In dieser Kooperation verpflichten sich die Schulen, mit allen Schülern mindestens einmal jährlich ins Theater zu gehen. Das Theater bietet einen entsprechenden Spielplan mit Stücken für alle Altersgruppen, begleitet von intensiven Vor- und Nachgesprächen, Führungen und Patenklassen. Ein Fonds für sozial benachteiligte Schüler ermöglicht kostenlose Theaterbesuche. Das Projekt gelangte bis in die Endrunde des Wettbewerbs „Kinder zum Olymp“; aktuell wartet das Junge Team auf die Wettbewerbsergebnisse von „mixed up“ – auch bei diesem Wettbewerb ist man mit der Schul-Kooperation in die Endrunde gelangt.

Im Sommer 2017 wird „Dein:THEATER!“ um ein Festival zum Thema #Europa//Freiheit//Demokratie erweitert. Leiterin Maria-Elena Hackbarth bewies hier erneut einen „guten Riecher“ (Thierjung) und plant in Zeiten von Brexit und Co. ein Festival zum europäischen Gedanken mit internationalen Künstlern und Workshops mit den Schülern.

Bayernwerk AG als Vorbild für weitere Kooperationen zwischen Theater und Wirtschaft

Die Rückmeldungen der Schulen auf die Theater-Kooperation sind nahezu euphorisch. Die Nachfrage von weiteren Schulen kann – mit dem aktuellen theaterpädagogischen Personal – nicht gestillt werden. Anfragen werden aktuell über eine Warteliste verwaltet – eine weitere Theaterpädagogen-Stelle wäre
vonnöten. Und da sind sich Gotzel und Neundorff einig: mit gutem Beispiel vorangehen! Weitere Unternehmen der Region ermutigen, neue Wege in der Kulturförderung zu gehen, Theater als Kommunikationsort für sich entdecken und stärken. Es lohnt sich. Heute, vor allem aber in Zukunft.

PM/LH