Innenminister Hermann erklärt Ankerzentren – Psychologin warnt

Nach den Worten von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wird die Umwandlung von Flüchtlingsunterkünften zu Ankerzentren keine Erhöhung der Aufnahmekapazitäten zur Folge haben. So werde es bei der Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf, die auch Ankerzentrum werden soll, bei einer maximalen Kapazität von 500 – und mit den Außenstellen bei 1700 – Flüchtlingen bleiben, sagte Herrmann am Montag in Zirndorf. In Bamberg bleibe es bei einer Kapazität von maximal 1500 Flüchtlingen.

Auch an anderen Standorten, die als Ankerzentren vorgesehen seien, wie Deggendorf und Donauwörth, ändere sich nichts. Vor allem Anwohner der geplanten Ankerzentren für neu eingereiste Flüchtlinge hatten eine Ausweitung der Kapazitäten befürchtet. Herrmann rechnet damit, dass die Ankerzentren im August ihren Betrieb aufnehmen können.

 

 

Psychologin warnt vor Ankerzentren

Derweil warnt die Dresdner Psychologin Luise Pabel eindringlich vor Ankerzentren für Flüchtlinge. «Aus psychotherapeutischer Sicht sind sie der völlig falsche Weg. Das schafft nur weiteres Konfliktpotenzial», sagte die Forscherin vom Dresdner Universitätsklinikum der Deutschen Presse-Agentur. Sachsens Regierung will seine Erstaufnahmeeinrichtungen zu einem Ankerzentrum ausbauen und darin bis zu 1500 Asylsuchende unterbringen. Anker steht für Ankunft, Entscheidung und Rückführung.

Pabel macht geltend, dass in einer Unterkunft mit so vielen Menschen die Anspannung der Bewohner naturgemäß steige. «Es ist kein ausreichender Rückzugsraum vorhanden, es gibt in der Regel einen hohen Lärmpegel.» Das verstärke die Symptome bei Menschen, von denen viele bereits traumatisiert oder anderweitig psychisch belastet nach Deutschland kommen. «Manche haben Erfahrungen mit Folter, Verfolgung, Mordandrohungen und Erpressungen.» Sie müssten hier erst einmal zur Ruhe kommen und brauchten auch Ruhe für sich.

Eine sinnvolle Beschäftigung für Asylsuchende und ihre baldige Unterbringung in Wohnungen sind nach Ansicht von Pabel die beste Prävention gegen Gewalt und Frust. Dafür sei aber auch eine ausreichende Betreuung notwendig. «Wenn Flüchtlingsinitiativen oder einzelne Helfer die Betroffenen in den Stadtteilen unter ihre Fittiche nehmen, werden bei der Integration meist auch Erfolge erzielt», sagte die Wissenschaftlerin. Nach der Ankunft gelte es, die Unterbringung in Camps so kurz wie möglich zu halten: «Auch hier muss es ausreichend Mitarbeiter geben, damit keiner der Ankömmlinge durchs Raster fällt.»

 

dpa