Fernsehkommissarin verabschiedet Polizeipräsident

Abseits der am 26.01.2015 im Spiegelsaal der Regierung der Oberpfalz abgehaltenen Veranstaltung zur Verabschiedung bzw. Einführung des oberpfälzischen Polizeipräsidenten verabschiedete sich Rudolf Kraus, der mit Ablauf des Januars in den Ruhestand tritt am 29.01.2015 von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.Gleichzeitig nutzte sein Amtsnachfolger, Gerold Mahlmeister, die Gelegenheit um im Gebäude an der Bajuwarenstraße „Grüß Gott“ zu sagen. Der 58-Jährige wird ab dem ersten Februar das Polizeipräsidium Oberpfalz leiten.

Bestandteil solcher Veranstaltungen, wo immer sie auch stattfinden, sind diverse Vorredner um letztendlich der Hauptperson das Wort zu übergeben, all dies eingebettet in ein meist musikalisches Rahmenprogramm.

Für die Abschiedsworte an Rudolf Kraus hatte sich das Polizeipräsidium Oberpfalz etwas Besonderes ausgedacht. Keine geringere als die renommierte und vielfach ausgezeichnete Schauspielerin Ulrike Kriener richtete diese an den scheidenden Polizeipräsidenten und die anwesenden Gäste. Ihre Präsenz kommt nicht von ungefähr, schließlich verkörpert Kriener seit 2002 als „Kommissarin Ellen Lucas“ in jeweils abendfüllenden Filmen des ZDF, eine Regensburger Mordermittlerin. So konnte sie sich sozusagen zugleich auch von ihrem Polizeipräsidenten verabschieden.

Der Bitte diese Laudatio vorzunehmen kam Ulrike Kriener nach kurzer Bedenkzeit gerne nach, denn Auftritte dieser Art hatte sie in ihrer langen Karriere noch nicht im Programm. Nicht nur der Besuch in Regensburg, abseits der Filmaufnahmen bewog sie dazu sondern auch die gute Verbindung zur Regensburger Polizei und damit ihren „Kolleginnen und Kollegen“.

Dieser Überraschungsgast verfehlte verständlicherweise bei den Anwesenden seine Wirkung nicht, wie an deren Reaktion deutlich zu erkennen war.

In Ihrer akzentuierten, mit Pointen aber auch Tiefgang versehenen Rede, bei der der Zuhörer spürte, dass gelernt eben gelernt ist, hatte die 60-Jährige um das Korsett des beruflichen Werdegangs von Rudolf Kraus Parallelen unter Gleichaltrigen aber auch die Unterscheide aufgezeichnet.

Während sie als Schauspielerin auch noch „Oma-Rollen“ übernehmen könne müsse ein Polizeipräsident in den Ruhestand gehen. Sie erinnerte den begeisterten Zugfahrer an die vergünstigten Tickets der Bahn für Senioren, thematisierte seine Herzlichkeit, den Umgang auf Augenhöhe mit seinem Umfeld, dem der Handschlag und der Blick in die Augen so wichtig sind und der seinen Parforceritt durch Besoldungsstufen und Dienstränge auf der „Ochsentour“ machte – vom Polizeiwachtmeister zum Polizeipräsident.

Bei diesem Thema haderte Kommissarin Lucas allerdings mit ihrem Dienstgrad, bei dem sich auch nach zwölf Jahren erfolgreicher Ermittlungsarbeit noch immer nichts bewegt habe. Mit dem Verweis sich als „Looser“ zu sehen appellierte sie an den Ruheständler in spe sich für sie einzusetzen.

Sichtlich bewegt verabschiedete sich Rudolf Kraus von seinem Mitarbeiterkreis. Das gesamte Programm sei für ihn eine überwältigende Überraschung gewesen die ihn tief im Herzen berührt habe. Das begann schon mit der Fahrt des „ISAR 12“ Fahrzeuges des Polizeipräsidiums München, vom Regensburger Hauptbahnhof hinaus in die Bajuwarenstraße, dem Weg den er fast sechs Jahre mit dem Stadtbus zurückgelegt hatte.

Besonders herzlich waren zum Abschluss seine Dankesworte für „Kollegin“ Ellen Lucas, deren Appell um Beförderung zur Oberkommissarin man spontan nachkam, denn Urkunde, Dienstmütze und Schulterklappen waren schon vorbereitet.

Im nun beginnenden Lebensabschnitt will sich Rudolf Kraus noch stärker in der Neumarkter Hospizarbeit engagieren, was er bereits seit mehr als zehn Jahren tut.