Fahreignung von Senioren: Sind Tests notwendig?

Die Fahreignung von älteren Pkw-Fahrern ist ein viel diskutiertes und emotionales Thema. Nach einzelnen spektakulären Unfällen, die von älteren Pkw-Fahrern verursacht wurden, entbrennt immer wieder die Diskussion, ob Ältere ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr fahren können und/oder sollten. Eine verpflichtende Fahreignungsprüfung für ältere Pkw-Fahrer wird dabei oft gefordert.

Aus diesem Grund führte die Unfallforschung der Versicherer (UDV) zwei Studien durch:

Studie 1: Bewertung der internationalen Erfahrungen

Eine erste Studie betrachtete internationale Systeme zur Prüfung der Fahreignung älterer Pkw-Fahrer hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zur Unfallprävention. Vorhandene Evaluationsstudien wurden ausgewertet. Im Ergebnis ließ sich kein positiver Effekt für das Unfallgeschehen nachweisen, weder gesamtgesellschaftlich noch für die Teilgruppe der älteren Pkw-Fahrer.

Studie 2: Fahreignungsprüfung mittels individueller Leistungsfähigkeit

In einer zweiten Studie wurde untersucht, ob die individuelle Leistungsfähigkeit Grundlage für eine altersbezogene F

ahreignungsprüfung sein kann. Die individuelle Leistungsfähigkeit älterer Pkw-Fahrer wurde mit psychologischen Testverfahren ermittelt. Anschließend wurde das Fahrverhalten entweder im realen Straßenverkehr oder im Fahrsimulator beobachtet.

Die Ergebnisse in den psychologischen Testverfahren wurden dann jeweils mit dem beobachteten Fahrverhalten in Beziehung gesetzt.

Ergebnisse:

  • Die individuelle Leistungsfähigkeit nimmt mit dem Alter ab.
  • Der Leistungsabfall ist schleichend. Bedeutsame Unterschiede treten oft erst ab 75 Jahren auf.
  • Die Leistungsfähigkeit verändert sich im Alter unterschiedlich. Das Sehen und die Wahrnehmung nehmen eher linear ab. Dagegen ist bei den geistigen Funktionen eine stufenweise Abnahme zu beobachten. Das heißt, sie nimmt sprunghaft ab.
  • Die Bandbreite der individuellen Leistungsfähigkeit ist sehr groß.
  • Im realen Straßenverkehr wurden wenige, aber sicherheitsrelevante Unterschiede zwischen Pkw-Fahrern mittleren und höheren Alters festgestellt. Beispielsweise führten ältere Pkw-Fahrer seltener den Schulterblick aus, besonders in komplexen Verkehrssituationen.
  • Während der Fahrsimulation gab es mehr Verkehrssituationen, in denen ältere Pkw-Fahrer Fehler machten, als im realen Straßenverkehr. Fehler wurden besonders bei unerwarteten Ereignissen gemacht, z.B. beim Queren eines Fußgängers, der durch ein parkendes Fahrzeug verdeckt war.
  • Auf Basis der individuellen Leistungsfähigkeit konnte das Fahrverhalten nicht ausreichend gut vorhergesagt werden. Das bedeutet, dass Personen mit einer geringen individuellen Leistungsfähigkeit durchaus noch gut gefahren sind und umgekehrt. Ältere Pkw-Fahrer kompensieren ihre nachlassende Leistungsfähigkeit und passen ihre Fahrweise an.

Fazit:

Die Fahreignung älterer Pkw-Fahrer lässt sich weder über das Lebensalter noch über die individuelle Leistungsfähigkeit hinreichend gut erklären. Die Ergebnisse der UDV-Studien unterstützen keine verpflichtende Fahreignungsprüfung für ältere Pkw-Fahrer.

 

Quelle: Unfallforschung der Versicherer: udv.de