Entlassener Kardinal Müller wirft Franziskus schlechten Stil vor

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat Papst Franziskus einen schlechten Stil vorgeworfen. «Diesen Stil kann ich nicht akzeptieren», sagte Müller der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstag). Er reagierte damit auf seine Entlassung als Präfekt der Glaubenskongregation am vergangenen Freitag. Am letzten Tag seiner fünfjährigen Amtszeit habe Franziskus ihm «innerhalb einer Minute» und ohne Angaben von Gründen die Entscheidung mitgeteilt, die Amtszeit nicht zu verlängern. «Im Umgang mit den Mitarbeitern muss auch hier in Rom die Soziallehre der Kirche gelten», forderte der ehemalige Regensburger Bischof.

Nach Ansicht Müllers sollte der Papst auf seine Kritiker zugehen; er brachte sich selbst als möglichen Vermittler ins Spiel. Vier Kardinäle – darunter der am Mittwoch gestorbene Joachim Meisner – hatten dem Papst im vergangenen Jahr in einem offenen Brief ihre Zweifel hinsichtlich eines Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene unterbreitet. Franziskus hatte darauf aber nicht reagiert.

«Ich könnte das Gespräch zwischen dem Papst und den drei Kardinälen moderieren», sagte Müller der «Passauer Neuen Presse». «Ich würde dem Papst empfehlen, dass er mir diesen Dialog anvertraut, weil ich die Kompetenz und auch das Verantwortungsbewusstsein dafür habe.»

Nachfolger Müllers als Chef der Glaubenskongregation wurde der spanische Erzbischof und Jesuit Luis Francisco Ladaria Ferrer.

dpa/MF