Einbrüche: Bayern und Baden-Württemberg kooperieren

Politische Scheuklappen beiseite: Im Kampf gegen Wohnungseinbrecher machen Baden-Württemberg und Bayern fortan gemeinsame Sache. An diesem Freitag wird eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. In beiden Ländern sind die Einbruchszahlen in den vergangenen Jahren dramatisch nach oben geschnellt, teils zweistellig. Einen Großteil der Einbrüche schreiben die Innenminister Reinhold Gall (SPD) und Joachim Herrmann (CSU) mobilen, international agierenden Banden zu, die in Dörfern entlang der Autobahnen auf Beutezug gingen. Experten sehen das durchaus anders.

Warum sieht die Politik Handlungsdruck?

Jeder Wohnungseinbruch sei ein Eindringen in den höchstpersönlichen Lebensbereich, «und das belastet jedes einzelne Opfer ungemein», schreibt Baden-Württembergs Innenminister Gall. Dem Bundeskriminalamt (BKA) zufolge ist die Zahl der in Deutschland erfassten Wohnungseinbrüche im Jahr 2014 um 1,8 Prozent auf über 152.000 Fälle geklettert. In den Südländern aber stehen Zuwachsraten von plus 28,6 Prozent (Bayern) und plus 19,4 Prozent (Baden-Württemberg). Zwar kamen beide von einem niedrigen Niveau, dennoch alarmieren die Zahlen.

Worauf führt die Politik den Anstieg zurück?

Zum Teil auf osteuropäische Einbrecherbanden, die sich ihre Ziele vornehmlich in Orten suchen, von denen sie rasch auf einer Autobahn fliehen können. Als «erschreckend» bezeichnet Gall den zuletzt starken Anstieg von in Baden-Württemberg ermittelten Einbrechern aus Georgien (134) und Rumänien (85), was er auf Armut in diesen Ländern zurückführt.

Was sagt die Wissenschaft?

Natürlich gebe es diese Banden, hatte der Bochumer Kriminologe Thomas Feltes im vergangenen Jahr der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Ob aber in dem Umfang, wie es die Politik meint, lasse sich nicht sagen. Für den Professor von der Ruhr-Universität bleibt der typische Einbrecher «jung, männlich und drogenabhängig». Vergleichsweise oft suchten sich Einbrecher ihre Ziele im sozialen Umfeld - wo sie genau wissen, was zu holen ist.

Welche Untersuchungen gibt es?

Den «Mythos» vom osteuropäischen Bandeneinbrecher habe noch keine Studie belegt, berichtet der Polizeibeamte Frank Kawelovski aus Nordrhein-Westfalen. Auch er hat für die Ruhr-Uni geforscht. Das Gefühl, dass Osteuropäer stark vertreten sind, entstehe dadurch, dass sie per se schneller unter Tatverdacht kämen. Und für die Polizei gelte ein Einbruch bereits als aufgeklärt, wenn ein Tatverdächtiger ermittelt ist - egal, ob er dann auch überführt wird. Unter dem Strich würden maximal 15 Prozent der Einbrüche in diesem Sinne aufgeklärt. «Heißt: Von 85 bis 90 Prozent der Täter wissen wir gar nichts.» Verurteilt würden 2 Prozent, 98 Prozent der Täter somit nie sicher festgestellt.

 

 

Was tut die Politik?

Der Bundestag hat im Mai beschlossen, 30 Millionen Euro in ein Investitionsprogramm zum Einbruchsschutz zu stecken. Es soll Zuschüsse zum Material geben, Handwerkerarbeiten sollen steuerlich absetzbar sein. Hintergrund: Gut 40 Prozent der Einbrüche werden abgebrochen, weil die Einbrecher gestört werden oder nicht ins Haus kommen. Einbruch ist riskant und schwierig, müsse die Botschaft sein, so Gall. Zudem baue Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auf eine Abstimmung mit BKA, Europol und Frankreichs Innenministerium, heißt es in Berlin. Expertentreffen seien geplant.

 

Warum nun die Kooperation in Süddeutschland?

Experten in beiden Ländern sehen etwa durch die Autobahnen in beiden Ländern «günstige Kriminalitätsräume für potenzielle Täterströme aus dem ost- respektive südosteuropäischen Raum», wie es im Stuttgarter Innenministerium heißt. Verhältnismäßig wohlhabende Bundesländer mit günstigen Verkehrswegen sowie bevölkerungsreiche Regionen mit mehr potenziellen Tatobjekten seien für Einbrecher besonders attraktiv.

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Wobei können beide Länder profitieren?

Baden-Württemberg könne etwa von einer Prognosesoftware profitieren, die in Bayern entwickelt wurde, heißt es in München. Stichwort «Predictive Policing»: Mit solchen Computerprogrammen lässt sich angeblich voraussagen, wo Banden vermutlich wieder zuschlagen. Dort könnten dann die Polizeistreifen gezielt verstärkt werden, was in Bayern Erfolge gebracht habe. In Gegenzug könne Bayerns Polizei von verschiedenen Präventionsprojekten profitieren.

dpa/MF