Domspatzen: Mehr Kinder misshandelt als angenommen – Wusste Georg Ratzinger davon?

"Ich muss davon ausgehen, dass Georg Ratzinger davon gewusst hat", teilt der mit der Klärung des Skandals beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber heute in Regensburg mit.

Er präsentiert heute konkrete Zahlen zu den Vorwürfen Körperlicher Gewalt an verschiedenen Standorten der Regensburger Domspatzen.

 

 

So habe es 231 Meldungen körperlicher Gewalt gegeben. 216 Meldungen beziehen sich auf die Einrichtungen in Etterzhausen und Pielenhofen in der Kernzeit bis 1992.

10 Meldungen betreffen den Standort Regensburg in der Zeit bis Ende der 80er Jahre, fünf Meldungen beziehen sich auf beide Institute.

Konkret gibt es laut Bericht 24 Beschuldigte in Etterzhausen und Pielenhofen, wobei sich die überwiegende Zahl der Beschuldigungen gegen nur fünf Personen richtet.

18 Beschuldigte Personen sollen in Regensburg tätig gewesen sein. Hier soll es vier Personen gegeben haben, gegen die sich die Mehrzahl der Beschuldigungen richtet.

Im Zeitraum nach dem Jahr 1992 soll es laut Bericht nur noch wenige Meldungen körperlicher Gewalt gegeben haben.

 

Opfer: Kontakt zu Ulrich Weber

Um zur Aufklärung beizutragen, können Sie sich direkt an Ulrich Weber wenden:

Telefon: 0941 7060631

oder per Mail: uweber@uw-recht.de

Die Kontaktdaten des Rechtsanwalts finden Sie auch auf seiner Webseite www.uw-recht.org.

 

 

Wurde fast jeder dritte Schüler Opfer?

In einem ersten Statement erklärt Anwalt Ulrich Weber gegenüber der Presse:

"Aus den Opfergesprächen zeichnet sich bisher ab, dass rund 30 Prozent der Schüler in Etterzhausen/Pielenhofen in der Kernzeit bis 1992 von körperlicher Gewalt betroffen waren."

Dies stütze sich auf eine weitgehend übereinstimmende Einschätzung der Opfer selbst und wie diese die Gesamtsituation damals erlebt haben.

Weiter heißt es in Webers Erklärung:

"Bezüglich der Opfer von sexuellem Missbrauch ist eine so konkrete Einschätzung bisher nicht möglich, weil über das Erfahrene untereinander größtenteils nicht kommuniziert wurde."

 

 

 

 

Hintergrund: Das zahlen Bayerns Bistümer

  • Das Erzbistum München-Freising hat 29 Fälle registriert, in denen auf Empfehlung der Missbrauchsbeauftragten Opfern Geld gezahlt wurde - insgesamt 147.000 Euro.
  • Im Erzbistum Bamberg haben 16 Opfer einen Antrag auf Entschädigungszahlung gestellt, ihnen wurde insgesamt 92.000 Euro zugesprochen.
  • Im Bistum Regensburg geht es um Misshandlungen in der Vorschule der Domspatzen wie etwa Prügel. Die Diözese hat beschlossen, die Straftaten anzuerkennen und den Betroffenen ein Schmerzensgeld von jeweils 2.500 Euro zu zahlen.

 

Die Fälle in Regensburg beschreibt Ulrich Weber ausführlich, er geht aber in seinem Statement auch auf die Reaktion der Domspatzen zu jener Zeit ein:

"Die Vorgänge waren sowohl intern bekannt als auch kritisiert, führten aber praktisch nicht zu personellen Konsequenzen oder gar strukturellen Umbauten. Hier stellt sich ganz klardie Frage nach Strukturen und deren Mängel. Diese zu beurteilen und Handlungsempfehlungen zu geben, wird allerdings erst zum Ende der Untersuchung möglich sein."

Titelfoto: Symbolbild

dpa/MF