Domkapitular Roland Batz stellt neues Buch vor

Der Vorsitzende des Diözesan-Caritasverbandes und der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. (KJF), Domkapitular Dr. Roland Batz, hat sich intensiv mit Fragen einer christlichen Wirtschaftsethik auseinandergesetzt. In seinem aktuell erschienenen Buch „Bibel, Barmherzigkeit und Bilanzen“ stellt er eines deutlich heraus: „Im Mittelpunkt eines caritativen Wirtschaftens steht immer der Mensch.“ Hier ein Vorgeschmack:

  • Wertorientierte Unternehmensführung

Selbstverständlich sind caritative Träger und Einrichtungen Wirtschaftsunternehmen. Es gilt das Prinzip der Wirtschaftlichkeit und der sparsame Einsatz der Mittel. Die christliche Wirtschaftsethik stellt jedoch den Menschen in den Mittelpunkt allen Handelns. Ein ausgeglichenes Betriebsergebnis ist keine hinreichende Begründung für wirtschaftliches Handeln im kirchlichen Kontext, das macht Domkapitular Dr. Roland Batz in „Bibel, Barmherzigkeit und Bilanzen“ deutlich. Für kirchlich-caritative Unternehmen seien vielmehr verbindliche ethische Kriterien maßgeblich, um einer wertorientierten Unternehmensführung gerecht zu werden. Die Achtung der Menschenwürde, die Pflege von Barmherzigkeit, sinnerschließende haupt- und ehrenamtliche Arbeit sowie ethisches Wirtschaften im Sinne des Gemeinwohls benennt der Autor als maßgebliche Prüfsteine, an denen caritative Unternehmen zu messen sind.

  • Spannungsverhältnis von Markt und Nächstenliebe

Als Auslöser für sein Buchprojekt gibt Domkapitular Dr. Roland Batz das in der Praxis erlebte Spannungsverhältnis an, in dem kirchliche Unternehmen als Akteure eines Marktgeschehens auftreten. Dort haben die professionellen sozialen Leistungen ihren Preis. Wie kann die Kirche in diesem Marktgeschehen ihrem Selbstverständnis gerecht werden? Wie können kirchliche Unternehmen glaubwürdig aufzeigen, dass sie als Ausdruck des Gebots der Nächstenliebe Wesens- und Lebensäußerung der Kirche sind? „Verantwortliche der Caritas hören oft den Hinweis, Caritas solle sich auf ihre Kernkompetenzen beziehen“, führt der Autor an. Diese Kritik beziehe sich jedoch auf die Tatsache, dass mit caritativem Handeln Geld verdient wird.

„Kritisiert werden wir vornehmlich in den Bereichen, in denen wir Mitbewerber haben, im Bereich der Obdachlosenhilfe oder der Begleitung Schwerstbehinderter hören wir keine Klagen, wohl aber in der stationären Altenhilfe oder im Krankenhausbereich.“ Dr. Roland Batz, Domkapitular

In der Wettbewerbssituation tritt das Spannungsverhältnis von Nächstenliebe und Markt offen zutage. Doch wie kann es aufgelöst werden? „Es muss durch die Entscheidungen der entsprechenden Organe wie Vorstand, Verwaltungs- oder Caritasrat in eine Balance gebracht werden“, erklärt der Autor, „Ich meine, das gelingt uns auch immer wieder, weil wir grundsätzlich die Menschen in den Blick nehmen. Wenn wir Gewinne erzielen, werden diese in die Weiterentwicklung der Leistungsangebote reinvestiert und kommen direkt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Menschen zugute, die in den kirchlichen Einrichtungen Rat und Hilfe suchen. Beide Verbände, deren Vorsitz der Autor innehat – der Diözesan-Caritasverband und die KJF, seien hinsichtlich ihrer Transparenz, was die Verwendung der Finanzmittel anbelangt, als auch in Bezug auf das kirchliche Selbstverständnis bestens aufgestellt. „Dafür bin ich allen Verantwortlichen und Mitarbeitern sehr dankbar“, so Dr. Roland Batz.

  • Gelebter Glaube ist entscheidend für Glaubwürdigkeit caritativer Unternehmen

Mit seinem Buch versucht Domkapitular Dr. Roland Batz aufzuzeigen, wie wichtig es ist, normativ-ethische Kriterien für die Glaubwürdigkeit caritativer Unternehmen zu benennen. Entscheidend dabei ist für ihn der gelebte Glaube der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in der Caritas für die Menschen ihren Dienst tun. Das bedeutet, die religiöse Dimension zu beachten und zu bejahen. Der kirchliche Auftrag muss sichtbar und erfahrbar zu Tage treten. Vor welche großen Herausforderungen dies die caritativen Unternehmen stellt, zeigt der Autor deutlich auf. Er stellt kritische Fragen und stellt seine Forderungen wie Ausblicke in den Kontext aktueller Entwicklungen im Gesundheits- und Sozialbereich.

Das zentrale Thema der Barmherzigkeit begegnet dem Leser in einer theologisch-historischen Annäherung, in der Deutung des Gleichnisses vom Barmherzigen Samariter und als institutionalisierte Barmherzigkeit wie sie in der verbandlichen Caritas gelebt wird. „Um dem Menschen in seiner Ganzheitlichkeit gerecht zu werden, gehört es zum Selbstverständnis caritativer Unternehmen neben der fachlichen Kompetenz auch den barmherzigen Blick auf den Menschen zu bewahren“ – ist eine der Kernaussagen im Kapitel „Barmherzigkeit pflegen“.

Die beiden größten sozial-caritativen Fachverbände in der Diözese, der Diözesan-Caritasverband und die Katholische Jugendfürsorge, waren bei der Buchvorstellung vertreten durch Diözesan-Caritasdirektor Michael Weismann und KJF-Direktor Michael Eibl. Domkapitular Dr. Roland Batz hat sein Buch „in diese Verbände hineingeschrieben und aus ihnen heraus“. Wofür stehen sie? Das machen die beiden Direktoren deutlich: Der Diözesan-Caritasverband, unter dessen Dach mehr als 21.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hauptamtlich beschäftigt sind, und die KJF mit rd. 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern begleiten, beraten und unterstützen gemeinsam jährlich etwa 380.00 Menschen. „Es geht uns nicht um Gewinnmaximierung“, machte KJF-Direktor Michael Eibl deutlich, „sondern um die Menschen, die unsere Hilfe brauchen.“ Damit dies wirkungsvoll und effektiv geschehen kann, damit die Hilfe ankommt, „müssen wir uns der Marktmechanismen der Zeit bedienen dürfen. Es reicht nicht, sich romantischen Vorstellungen folgend aus dem Markt zurückzuziehen, sich aller zeitgemäßen Methoden zu entledigen und sich dann den Rändern der Gesellschaft zuzuwenden. Es geht vielmehr darum, in den von der Gesellschaft und ihren technischen Entwicklungen vorgegebenem Rahmen aktiv sein zu können. Aber das eben nicht bodenlos, sondern auf der Grundlagen von klaren Werten“, stellte Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann deutlich heraus.

 

pm/LS