Dinau: Rotmilan vergiftet

Eigentlich ist das Pflanzenschutzmittel seit 2007 in der EU verboten – trotzdem wurde jetzt wieder ein Vogel damit vergiftet.

 

Aktuell wurde der LBV über einen sehr verdächtigen Totfund eines Rotmilans im Landkreis Regensburg informiert. Der Greifvogel wurde neben einem Fleischbrocken auf einer Wiese gefunden und trug sogar einen Satellitensender. Bereits im April wurden im Landkreis Eichstätt zwischen Ettling und Forchheim an der Donau zwei tote Greifvögel auf einem Acker gefunden. Die toxikologische Untersuchung der Rohrweihe und des Rotmilans aus Eichstätt konnte bei beiden streng geschützten Arten Rückstände von Carbofuran, einem hochtoxischen Kontaktgift, nachweisen und als Todesursache bestimmen. Unklar ist, ob die getöteten Vögel gezielt ausgelegte Giftköder gefressen haben. „Genauso wie es die geschützten Greifvögel erwischt hat, stellen möglicherweise ausgelegte Giftköder auch für Kinder und Hunde eine echte Gefahr dar“, warnt LBV-Landesfachbeauftragter Dr. Andreas von Lindeiner.

 

Am 28.7.2019 wurde bei Dinau (Kallmünz) im Landkreis Regensburg von einer Wanderin ein toter Rotmilan gefunden, der neben einem Fleischbrocken auf einer Wiese lag. Leider erreichte den LBV diese Information nicht mehr rechtzeitig, um den Vogel bergen und untersuchen lassen zu können. Eine Vergiftung ist jedoch sehr wahrscheinlich die Todesursache. „Aufgrund unserer nicht einfachen Recherchen wissen wir nun, dass der totgefunden Rotmilan Jungtier ist, das im Frühjahr 2019 von Wissenschaftlern der Universität Marburg besendert wurde“, so von Lindeiner. Es stammt von einem Brutpaar aus dem südlichen Vogelsbergkreis. Der Vogel hielt sich am 27.7.2019 noch südlich von Regensburg auf und flog erst im Laufe des Tages die etwa 30 Kilometer Luftlinie in die Nähe von Dinau. Danach gab es keine Sender-Signale mehr von dem Tier.

 

In allen diesen Fällen kann ein Verdacht auf weitere Giftköder nicht ausgeschlossen werden. Deshalb appellieren LBV und Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS) an alle Eltern in diesen Gebieten, ihre Kinder nichts Verdächtiges anfassen zu lassen. Alle Hundehalter sollten ihre Tiere an die Leine nehmen. Denn das hochtoxische Carbofuran wirkt bereits bei Hautkontakt und führt selbst in geringen Dosen zu Krämpfen. „Der Schutz der Öffentlichkeit ist ein zentrales Anliegen wie auch die Aufklärung der Vergiftungsfälle“, sagt Franziska Baur, GLUS-Fachreferentin für Naturschutz. „Wir werden nicht weiter zusehen, wie langjährige Schutzbemühungen um bedrohte, einheimische Tierarten durch illegale Tötung mit qualvollen Methoden – wie Vergiftung – zunichte gemacht werden und dafür sorgen, dass solche Straftaten in Bayern künftig strikter verfolgt werden!“

 

Die Aufklärung illegaler Tiertötungen ist schwierig, deshalb hoffen LBV und die Umweltstiftung auf Hinweise aus der Bevölkerung. „Spaziergänger, die einen toten Wildvogel auf einer Wiese oder im Feld finden, können diesen dem LBV oder der Polizei melden“, erklärt von Lindeiner. Eine Vergiftung kann nur durch Untersuchungen in einem Speziallabor festgestellt werden, was eine gewisse Zeit dauert. „Die Untersuchung durch die Ludwig-Maximilians-Universität, Abteilung Toxikologie und Pharmazie, konnte im aktuellen Fall zweifelsfrei eine Vergiftung der beiden Greifvögel nachweisen“ so der Artenschützer weiter. Wegen begrenzter Laborkapazitäten ziehen sich die Untersuchungen bedauerlicherweise manchmal sehr lange hin.

 

Im Landkreis Cham wurden schon mehr als 60 Vögel durch das Gift getötet: