© Nasser Hashemy

Das inklusive Tanzfestival: Augenblicke spontaner Freude tanzen, erspüren, verschenken

Das Festival für inklusiven Tanz fand zum dritten Mal in Regensburg im Theater der Universität statt. Dargeboten wurde: „Unpassend passt“ – vier Stücke, die zutiefst menschliche Themen aufgriffen. Es geht darum, gesehen und angenommen zu werden so wie man ist.

Potenziale herauskitzeln

Wie schon in den Jahren zuvor zeichnete Wolfgang Maas als Choreograph und Tanzpädagoge auch 2018 verantwortlich für das Festival für inklusiven Tanz – an seiner Seite Physiotherapeutin Evi Federl, Logopädin Beate Gamsreiter und Ergotherapeutin Julia Glass aus der Bischof-Wittmann-Schule der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e. V. Gemeinsam brachten sie begeisterte junge Tänzerinnen und Tänzer aus der Bischof-Wittmann-Schule und der OTH Regensburg auf die Bühne und verzahnten ihre Fachbereiche mit den künstlerischen Vorgaben von Wolfgang Maas.

Das inklusive Tanzprojekt der Bischof-Wittmann-Schule war mit dem Stück „Anpassung“ dabei, darüber hinaus die Herbstzeitlosen (Tanztheater Ü 50) mit „Passt schó!“, die tanz_bar Bremen mit „Bonny und Clyde“ sowie die Upside Down – Inklusive Dance-Company mit „Passen“. In „Anpassung“ geht es darum, in der Schule, im Leben seinen Platz zu finden und dabei sich selbst zu bleiben. Das macht das Leben spannend und reich! „Passt scho!“ getanzt von den Herbstzeitlosen griff ebenfalls Fragen auf, die mit der eigenen Identität – diesmal im Alter – zu tun haben. Passe ich, wie ich bin? Wer passt zu mir? Was passt mir? Das Tanztheater der älteren Generation tanzte diese Fragen und ihre Antworten. „Bonnie & Clyde“ von der tanzbar_bremen zeiget in einem Duett den Kampf von Liebenden. Sehnsucht, Anziehung und die unmögliche Verbindung von Gegensätzen wurden spürbar. Zuletzt war „Upside down“, die inklusive Danke-Company Regensburg mit unglaublicher Energie auf der Bühne. Ihr Stück „Passen“ begann mit einem zarten Solo, das auf eine laute, kraftvolle Gruppe stieß. Wie geht das zusammen? Soll das zusammen? Kann das gehen?

Bereits die Aufführungen „Live und in Farbe“ und „Anders sein kann jeder“ bei den Tanzfestivals 2016 und 2015 sorgten für ein volles Haus. Doch die Geschichte des inklusiven Tanzprojekts begann bereits im Jahre 2009. Evi Federl rief es für Schülerinnen und Schüler ihrer Schule ins Leben. Seitdem mit dabei: Wolfgang Maas, der schon immer davon überzeugt ist, dass er „die Potenziale, die in den Kindern und Jugendlichen stecken, nur herauskitzeln muss.“ Und wie ihm das gelungen ist! 2011 und 2013 machten die jungen Tänzerinnen und Tänzer aus der Bischof-Wittmann-Schule in der Engel-Gala im Velodrom von sich reden. Als inklusives Tanzprojekt angelegt, tanzten schon damals Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung zusammen. „Am Anfang war es natürlich eine Herausforderung“, sagt Wolfgang Maas, „doch in den Kindern steckt so viel mehr und man darf sie auch fordern.“ Er werde immer wieder mit beglückenden Momenten belohnt, Momenten, in denen er sehen und spüren könne, wie die Kinder erstrahlen und mit welcher Hingabe sie tanzen. Wenn Wolfgang Maas manchmal zu viel von seinen Schützlingen erwartet, dann ist es gut, dass die Therapeutinnen unterstützen. Denn eine Besonderheit im inklusiven Tanzprojekt an der Bischof-Wittmann-Schule ist das Ineinandergreifen von Tanzpädagogik und therapeutischer Arbeit. „Wir sind ein tolles, eng miteinander arbeitendes Team“, schildert Evi Federl ihre und die Arbeit ihrer Kolleginnen mit Wolfgang Maas.

Das therapeutische Auge sieht mit

„Ich sehe natürlich viel mit meinem ‚therapeutischen Auge‘ und bringe therapeutische Ansätze in den Tanz, weil wir damit zum Beispiel die Motorik und die Variabilität in den Bewegungen verbessern können“, erklärt Evi Federl. In einem experimentellen und freien Umfeld gelingt es ihr und ihren Kolleginnen mit den Kindern und Jugendlichen große Fortschritte zu erzielen. „Manchmal erlebe ich, dass Aufgaben, die auf Grund einer speziellen Behinderung gar nicht funktionieren dürften, durch die Umleitung über den Tanz plötzlich möglich sind, dass wir sozusagen eine neue Straße geschaffen haben, auf der wir Therapeutinnen weiter aufbauen können.“ Evi Federl empfindet die Arbeit im Tanzprojekt als absolut bereichernd: „Das Wichtigste, das Schönste, was wir erleben dürfen, ist das Miteinander, der Respekt voreinander und die Freude daran, mit dem eigenen Körper gestalten zu können so wie er oder sie es eben vermag.“ Ganz klar ist Wolfgang Maas ein großes Vorbild für die Kinder. Das sieht auch Evi Federl so. „Sie wollen tanzen wie er. Sie lernen an seinem Modell. Gerade für unsere Jungs ist er ein wichtiges Vorbild. Das ist sehr schön.“

Unterstützer des Projekts

Das Projekt wurde unterstützt von: Private Spender, KJF Regensburg, Stadt Regensburg, Soroptimist International, Regensburger Kulturstiftung, Wir dabei Regensburg e. V., VR Bank Niederbayern Oberpfalz e.G., Sparda-Bank