Corona-Krise: Sommer ohne Feste trifft Bierbrauer hart

Durch die Corona-Krise werden diesen Sommer keine Feste stattfinden. Das trifft in Bayern vor allem die Bierbrauer hart. Aber auch die Hopfenbauern haben mit der Lage zu kämpfen – wenngleich an anderer Front.

Die Stühle sind hochgeklappt, die Zapfhähne zugedreht. Biergarten ist nicht – obwohl das Wetter gerade perfekt passen würde. Volksfeste, Festivals, Musikevents – alles bis Ende August abgesagt. Selbst private Grillfeste sind vorerst nicht erlaubt. Die Corona-Krise trifft die Bierbrauer hart. Seit langem geht der Bierkonsum zurück – jetzt fehlen auch noch die Anlässe zum Trinken. Nicht einmal eine neue Bierkönigin wird es dieses Jahr in Bayern geben. Der Bayerische Brauerbund hat die Wahl, die sonst im Mai mit einer großen Gala gefeiert wird, wegen der Pandemie abgesagt.

„Dramatisch“ sei die Lage, sagt Hans-Peter Drexler, Braumeister und Geschäftsführer Technik bei Schneider Weisse in Kelheim. Der Absatz sei um etwa 40 Prozent eingebrochen. „Was uns momentan massiv trifft ist, dass die Gastronomie zu ist – und es keinerlei Perspektive gibt, wie lange das noch geht.“ Das gesamte Fassbiergeschäft sei weggebrochen. „Es ist gleich null.“

Der Deutsche Brauer-Bund berichtete bereits im März von deutlichen Folgen der Krise. „Schon heute steht fest, dass die Corona-Pandemie massive Auswirkungen auf die 1500 Brauereien in Deutschland haben wird“, sagte Hauptgeschäftsführer Holger Eichele damals.

Dabei litt die Branche schon vor der Corona-Krise. Im vergangenen Jahr verkauften die Brauereien in Deutschland so wenig Bier wie seit Jahren nicht. Mit einem Absatz von 9,22 Milliarden Litern wurde nach Zahlen des Statistischen Bundesamts der bisherige Minusrekord von 9,35 Milliarden Litern im Jahr 2017 unterboten. Gesunder Lebensstil, strengere Promillewerte im Straßenverkehr und eine schrumpfende Gruppe trink- und feierfreudiger 20- bis 40-Jähriger tragen dazu bei. Dafür legen in der Steuerstatistik nicht erfasste alkoholfreie Biere zu. Ende Januar zeigte sich der Brauer-Bund noch optimistisch, das Jahr damit und mit neuen Marken zu bestehen. Nun sieht es düster aus.

„Der Tag des Deutschen Bieres ist dieses Jahr eher ein Tag zum Wehklagen als zum Tag zum Feiern“, sagt Erich Dederichs, Sprecher des weltgrößten Hopfenhändlers BarthHaas. Die Auswirkungen der Krise auf den Hopfenhandel seien noch schwer abschätzbar. „Es gibt langfristige Verträge mit Hopfenpflanzern und Brauern – und soweit es möglich ist, werden Verträge erfüllt. Wenn es Abweichungen gibt, macht man das, was ordentliche Kaufleute tun: Man redet miteinander.“

Wie es hier bei niedrigem Bierkonsum weitergeht, ist offen. Prognosen gehen weltweit von einem Einbruch um 20 Prozent aus.

Offen ist auch, wie die Hopfenernte 2020 wird. Das hängt nicht wie sonst vordringlich vom Wetter ab. In etwa einer Woche werden allein in der Hallertau als weltgrößtem zusammenhängenden Anbaugebiet rund 10 000 Helfer benötigt, bundesweit sind es laut Verband der Deutschen Hopfenpflanzer 15 000. Dann beginnt das «Anleiten» der Triebe, die nach oben wachsen sollen; sie müssen vom Boden weg an Drähte gebracht werden. Wird das nicht sachgerecht gemacht, drohen Pilzinfektionen.

„Das ist alles diffizile Handarbeit. Da muss man genau arbeiten», sagt Geschäftsführer Otmar Weingarten. Geübte Helfer aus Polen fehlen, nun sollen auch Einheimische anpacken. Der Verband habe zudem Flugzeuge gechartert, um Kräfte aus Rumänien zu holen. Unklar sei, wo noch Helfer fehlten – die Zeit drängt. «Es ist sehr unübersichtlich.“

Die Frage nach Umwelt und Klima, nach trockenheitsresistenteren Hopfensorten, die weniger Pflanzenschutzmittel und Dünger brauchen, steht da nicht vorne. Das Hopfenforschungszentrum in Hüll hat neue Sorten entwickelt, mit romantischen Namen wie Mandarina Bavaria, Hallertau Blanc und Huell Melon. Sie interessierten vor allem für Craftbiere, sagt Elisabeth Seigner, Leiterin der Hopfenzüchtung. Bei Pils, Hellem und Weißbier bleiben die Brauer eher bei traditionellen Sorten, die auf dem größten Teil der Fläche angebaut werden. Scheu vor Umstellung, nicht der Geschmack der Kunden: Die Erklärungen dafür gehen auseinander. Seigner meint: „Die Brauer müssen sich auf das einstellen, was die Biertrinker erwarten. Und die sind konservativ.“

 

 

dpa