Corona-Krise: ÖPNV erhält Hilfsgelder vom Bund

Die Verkehrsunternehmen haben teils immer noch mit einem drastischen Fahrgastrückgang infolge der Corona-Krise zu kämpfen. Um die finanziellen Schäden auszugleichen, soll die Finanzhilfe vom Bund schnell ausgezahlt werden.

 

Die Verkehrsunternehmen in Bayern sollen in den kommenden Tagen Geld aus einem ÖPNV-Rettungsschirm des Bundes erhalten, um Defizite infolge der Corona-Krise ausgleichen zu können. Der Freistaat ist nach Angaben des Verkehrsministeriums in München damit das erste Bundesland, das die Gelder an die Firmen auszahlt. Wegen der Corona-Pandemie sind die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr bayernweit stark gesunken, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Damit fehlt es folglich auch an Einnahmen.

Insgesamt erhalte Bayern für den Nahverkehr 381 Millionen Euro vom Bund. «Die Verkehrsunternehmen haben auch in der Corona-Krise den öffentlichen Personennahverkehr durchgehend aufrechterhalten», sagte Ministerin Kerstin Schreyer (CSU) der dpa. «Die Grundversorgung war immer gesichert.» Allerdings bedeute der Rückgang an Fahrgästen, dass den Unternehmen große Verluste entstanden sind.

Wie deutlich die Belastung durch die Corona-Krise ist, machen Zahlen der Unternehmen deutlich: Im Gebiet des Augsburger Verkehrs- und Tarifverbunds (AVV) fuhr laut einer Sprecherin zu den schlechtesten Zeiten nur etwa ein Viertel der sonst üblichen Passagiere Bus und Bahn. Im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) gingen die Passagierzahlen der Pressestelle zufolge zwischenzeitlich auf zehn Prozent der normalen Auslastung zurück, beim Verkehrsverbund Mainfranken (VVM) in Würzburg und im Stadtverkehr in Regensburg ebenfalls.

«Dementsprechend gestaltete sich auch in dieser Zeit die Einnahmensituation überschaubar», sagte ein Sprecher der Stadtwerke Regensburg. Beim VGN in Nürnberg rechnet man laut einem Sprecher für 2020 derzeit mit 110 Millionen Euro weniger Umsatz als geplant, bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit 190 Millionen Euro weniger, wie es von den Stadtwerken München hieß. «Wir gehen davon aus, dass wir auch 2021 noch Mindereinnahmen schultern müssen, die Erholungsphase also länger andauert», sagte ein MVG-Sprecher.

Mittlerweile sind Busse und Bahnen nicht mehr ganz so leer. Im Stadtverkehr in München und Nürnberg beträgt die Auslastung laut MVG und VGN derzeit wieder 70 Prozent des Üblichen. In Augsburg beim AVV sind es knapp halb so viele Passagiere wie üblich, ebenso im Busverkehr der Stadtwerke Landshut.

In den Mittelstädten und im regionalen Busverkehr des VGN beträgt die Auslastung tagsüber aber immer noch nur fünf bis zehn Prozent des normalen Niveaus. «Es fehlen besonders die Berufspendler», sagte der VGN-Sprecher. «Hier machen sich der Umstieg auf das Auto und das Arbeiten im Homeoffice noch immer stark bemerkbar.»

Einen Fahrpreisanstieg durch den Umsatzrückgang müssen Fahrgäste in Nürnberg und Augsburg erst einmal nicht fürchten, im Gegenteil: Die für Januar 2021 geplanten Tariferhöhungen in den beiden Verkehrsverbünden wurden ausgesetzt (AVV) oder nach hinten verschoben (VGN). «Die Gesellschafter im AVV haben beschlossen, die Tariferhöhung nicht umzusetzen, um so die Senkung der Mehrwertsteuer an die Fahrgäste weiterzugeben», sagte die AVV-Sprecherin. Kurzfristig habe man die Fahrpreise nicht anpassen können, da man dafür einen Vorlauf von etwa vier Monaten brauche. Mit dieser Lösung sollen alle Fahrgäste von 2021 an davon profitieren.

Beim MVV profitieren nur Abo-Kunden von der Mehrwertsteuersenkung. Sie erhalten im November eine einmalige Erstattung von 10 bis 20 Euro. In Hof und im VVM in Würzburg bleiben die Fahrpreise im ÖPNV unverändert. «Die Verkehrsunternehmen haben die zwei Prozent in Hygienemaßnahmen investiert und werden dies auch weiterhin tun, zum Beispiel für Desinfektionsmittel und Verkürzung der Reinigungsintervalle», sagte ein Sprecher der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH. «Der Aufwand für die Änderungen aller Automaten, Fahrscheindrucker, Haltestellenaushänge und so weiter würde ein Vielfaches der Ersparnis kosten.»

Bis Ende August könnten Verkehrsunternehmen und Kommunen nun einen vereinfachten vorläufigen Antrag auf Gelder aus dem Rettungsschirm stellen, hieß es aus dem Ministerium. Über mögliche Fördergelder aus der Kasse des Freistaates berate das Kabinett im September.

 

dpa