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Caritas: Selbstführsorge trotz Einschränkungen

Selbstfürsorge bedeutet, gut auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und diese zu versorgen. Nur wer gut für sich selbst sorgt, kann auch gut für andere da sein. Gerade als Eltern, Angehörige oder Freunde möchten wir besonders in Krisenzeiten unseren Mitmenschen beistehen und sie unterstützen. Nun sind unsere Möglichkeiten dazu jedoch eingeschränkt und vermutlich geht es den meisten selbst nicht besonders gut aufgrund der Unsicherheiten, Zukunftsängste, Sorgen und Probleme verschiedenster Art. Doch auch im Alltag zu Hause, im Kleinen, gibt es Kraftquellen, die uns die Möglichkeit geben, gut auf unsere Ressourcen zu achten.

 

Ein Ansatzpunkt sind die eigenen Gedanken. Buddha sagte: „Was du denkst, bist du. Was du bist, strahlst du aus. Was du ausstrahlst, ziehst du an.“ Dieses Zitat verdeutlicht, dass unsere Gedanken eine enorme Wirkkraft besitzen. Sie steuern, wie wir uns selbst sehen und bewerten. Begegne ich mir selbst überwiegend wohlwollend in meinen Gedanken und versuche auch meine verletzlichen, unangenehmen Seiten anzunehmen und zu akzeptieren, dann werde ich mich automatisch besser fühlen und mehr Kraft haben. 

Betrachte ich mich überwiegend kritisch und abwertend, dann fühle ich mich auch entsprechend schlechter und habe weniger Kraft. Diese Gefühle strahlt man dann gegenüber seiner Mitmenschen aus, was je nachdem eher positive oder negative Reaktionen hervorrufen kann.

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Der persönliche Austausch mit Freunden und Familie mag derzeit stark eingeschränkt sein, doch per Telefon oder Videotelefonie können wir dennoch gut unsere Kontakte pflegen und uns über Sorgen, Nöte, aber unbedingt auch über Positives austauschen. Denn das, womit wir uns am meisten beschäftigen, bestimmt auch unsere Wahrnehmung und unsere Gefühle.

Trotz aller Schwierigkeiten sind uns einige Ressourcen also auf jeden Fall erhalten geblieben – darunter auch die Natur. Diese Möglichkeit sollte man auch unbedingt für sich nutzen und nach draußen gehen. Die derzeit vergleichsweise häufigen Tage mit strahlendem Sonnenschein können unseren „Vitamin-D-Tank“ auffüllen und haben somit direkte, positive Auswirkungen auf unsere Stimmung.

Dies ist besonders für von Depressionen betroffene Menschen wichtig. Zudem hilft die Bewegung an der frischen Luft körperlichen Anspannungen (auch psychisch bedingten) und Gedankenkreisen entgegenzuwirken. Sie können und sollten sich jedoch auch innerhalb ihrer vier Wände möglichst viel bewegen. Wer gerne Yoga, Pilates oder ähnliches macht, kann dies auch angeleitet durch entsprechende YouTube-Videos zuhause durchführen.

Auch Achtsamkeitsübungen können besonders gut helfen, zur Ruhe zu kommen. Manchen Menschen fällt es leicht, sich auf ihren Atem oder auf verschiedene Körperbereiche zu konzentrieren. Andere finden den Einstieg eher über einen „achtsamen Spaziergang“ in der Natur, bei dem sie nicht reden, nichts anhören, sondern sich gezielt auf ihre Schritte oder ihre Umgebung konzentrieren. Wieder andere finden Gefallen am „achtsamen Essen“ und entdecken manche Lebensmittel oder Speisen auf diese Weise völlig neu für sich.

Genussvolle Kleinigkeiten im Alltag sind wichtig, auch in „Nicht-Krisen-Zeiten“: eine Tasse Kaffee, schöne Musik, die Mittagspause mit Nickerchen auf der Couch, die Beobachtung des Frühlings und seiner Entfaltung, weniger Termine und Freizeitstress, selbstgekochtes Essen oder ein entspannendes Bad. Die Zeit sollte genutzt und persönliche Kraftquellen entdeckt werden. Vielleicht gibt es auch etwas, was neu ausprobiert werden kann, etwa eine neue Sprache oder ein neues Rezept. Eine weitere Seite der Corona-Krise ist, dass viele Eltern in enorme Organisationsschwierigkeiten kommen, wenn es darum geht die Sicherstellung der Betreuung ihrer Kinder zu gewährleisten, während sie weiter arbeiten müssen. Eine andere Perspektive dazu könnte Folgende sein: Wer kleine Kinder hat, kann es sich zunutze machen, dass diese die volle Aufmerksamkeit einfordern und ohnehin stets im Moment leben. Im „Hier und Jetzt“ leben könnte auch für Erwachsene eine Möglichkeit bieten, diesem Moment das ganze Interesse zu widmen - ebenfalls eine Achtsamkeitsübung.

Zum Schluss noch ein positiver Aspekt: Bereits jetzt ist nachweisbar, wie gut es der Natur tut, dass viele Menschen weltweit ihr Leben so stark eingeschränkt haben. Die Luftqualität verbessert sich messbar, viele Wildtiere tauchen an Orten auf, an denen sie Jahrzehnte oder schon viel länger nicht mehr anzutreffen waren. Aufgrund dieser guten Nachricht ist es sicherlich einfach den Mitmenschen ein Lächeln zu schenken – es kostet nichts, wirkt aber meist ansteckend.

Telefonisch ist der Sozialpsychiatrische Dienst der Caritas-Beratungsstelle für seelische Gesundheit erreichbar unter 09441/50 07 26.

Pressemitteilung Caritas-Pressedienst

 

Experte im Gespräch: Was macht die Krise mit der Psyche?

TVA Nachgefragt mit Neurowissenschaftler Dr. Volker Busch
Was passiert, wenn man wie jetzt in der Krise über einen längeren Zeitraum sehr eng zusammenleben muss? Wie wichtig sind Freiräume? Nina Seidl spricht mit dem Facharzt Dr. Volker Busch.

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Pressemitteilung / MF