Bistum Regensburg: 6499 Kirchenaustritte im Jahr 2017

6499 Katholiken haben im vergangenen Jahr im Bistum Regensburg ihren Austritt aus der Kirche erklärt. Das Bistum hat diese Zahl heute mitgeteilt. Gleichzeitig gibt man an, dass man dies sehr bedauert. 

Im Jahr 2016 hatten noch knapp 150 Katholiken weniger der Kirche den Rücken gekehrt.

Die Diözese, die eine Gemeinschaft vieler aktiver und engagierter Christen sei und auch in Zukunft verstärkt sein möchte, bedauere jeden einzelnen Austritt zutiefst. Gleichzeitig respektiere man aber jede Entscheidung, die dazu geführt hat. Allerdings wollen sich die Verantwortlichen mit der Situation auch nicht abfinden.

Die Mitteilung des Bistums:

Im Bistum Regensburg leben 1.166.109 Katholiken. Der Austritt entspricht einer Quote von 0,557. Das bedeutet, dass pro 1000 Katholiken gut 5 ihren Austritt erklärt haben. Mit dieser höchst bedauerlichen Situation möchte sich die Kirche von Regensburg nicht abfinden. Deshalb hat sie in diesem Jahr erneut die Aktion Kirchenaustrittstelefon gestartet: Vertreter des Bistums stehen am Telefon zur Verfügung. Die Aktion geht von 20. Juli bis 31. August.

Die Austrittszahlen werden an diesem Freitag, 20. Juli, für alle Diözesen in Deutschland bekanntgegeben. Auch hier gilt: Alle Diözesen bedauern jeden einzelnen Austritt. Was Bayern betrifft, liegen die Bistümer Passau und Regensburg am unteren Ende der gesammelten Austrittsquoten (0,55). Es folgen Würzburg (0,6), Eichstätt (0,65), Bamberg (0,71), Augsburg (0,72) und München (1,06). Die durchschnittliche Austrittsquote in Bayern liegt bei exakt 0,75. Das bedeutet, dass im vergangenen Jahr in Bayern im Schnitt zwischen 7 und 8 von 1000 Personen aus der Kirche ausgetreten sind. In der Erzdiözese Freiburg, einem der größten Bistümer in Deutschland, liegt die Quote bei 0,78 Prozent.

 

Austrittsgedanken: Telefonhotline eingerichtet

Personen, die sich mit dem Gedanken eines Austritts tragen, sind daher herzlich eingeladen, anzurufen bei:

1) Diakon Michael Weißmann, Regensburg: Telefon 0151 73029484

Diakon Weißmann leitet die Caritas im Bistum Regensburg. Aufgrund vieler Erfahrungen in der Klinikseelsorge und einer eigenen Gesprächsausbildung im Rahmen der Eheberatung hat er bereits im vergangenen Jahr im Rahmen der Aktion Austrittstelefon viele gute Erfahrungen gemacht.

2) Pfarrer Georg Flierl, Tirschenreuth: Telefon 09631-1451; info(at)pfarrei-tirschenreuth.de

Pfarrer Flierl ist ein langjähriger Seelsorger, der nahe bei vielen Menschen ist und wirkt und sich einer großen Beliebtheit erfreut.

3) Regionaldekan Manfred Strigl, Windischeschenbach: Telefon 0151 26151375, 09681/400150; manfred.strigl(at)haus-johannisthal.de.

Herr Strigl ist Leiter des Exerzitienhauses Johannisthal. Dort hat er seit Jahren mit vielen Menschen zu tun, die kommen und die gehen.

Es ist uns wichtig, darauf hinzuweisen: Bei allen Gesprächen unterliegen die genannten Gesprächspartner der Verschwiegenheitspflicht! Personen, die in den vergangenen Jahren bei der Aktion mitgewirkt haben, erklärten kürzlich: „Im Ergebnis waren fast alle Anrufe für beide Seiten zufriedenstellend, auch wenn nicht unbedingt eine Lösung herauskam. Das Gespräch ist aber immer schon der Boden, auf dem der Weg zu einer Lösung gegangen werden kann.“

Die Zeiten rasant gestiegener Kirchenaustrittszahlen scheinen in Bayern zwar gestoppt. Trotzdem gehen die Mitgliedszahlen zurück. Die Bistümer und die evangelische Landeskirche versuchen mit verschiedenen Projekten, die Menschen vom Austritt abzuhalten.

 

Bayern: Kirchen verlieren weiterhin Mitglieder

Die beiden großen Kirchen in Bayern verlieren weiterhin Mitglieder. Die Zahl der Kirchenaustritte ist aber nicht weiter gestiegen, sondern stagnierte im vergangenen Jahr in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. 2017 traten rund 48 000 Katholiken im Freistaat aus ihrer Kirche aus, das entspricht der Anzahl von 2016. Die evangelische Landeskirche registrierte rund 23 600 Austritte nach knapp 22 700 im Jahr zuvor. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die evangelische Landeskirche haben am Freitag ihre Statistik zum kirchlichen Leben für das Jahr 2017 veröffentlicht.

«Uns schmerzt jeder einzelne Austritt, dem meist ein langer Prozess der Entfremdung vorausgegangen ist», sagte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Es sei eine wichtige Aufgabe der Kirche, die Verbindung auch zu den Menschen zu halten und zu pflegen, die nicht regelmäßig in den Gottesdienst gehen.

Der Passauer Bischof Stefan Oster betonte am Freitag, man wolle offensiv für die christliche Botschaft werben: «Nicht wenige Menschen, vor allem junge Menschen, haben noch nie etwas davon gehört, dass Jesus wirklich für uns gestorben und auferstanden ist. Und dass der Glaube an ihn wirklich Freude, Gemeinschaft und großen Trost schenken kann.» Deshalb bemühten sich haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter der Diözese darum, den Glauben neu zu wecken.

Ein Sprecher der Diözese Regensburg verwies auf das «Austrittstelefon» des Bistums: Wer darüber nachdenke, der Kirche den Rücken zu kehren, könne sich in den kommenden Wochen unbürokratisch an Seelsorger wenden und im vertraulichen Gespräch über ihre Probleme mit der Kirche sprechen.

Die Mitgliederzahlen der Kirchen gehen auch deshalb zurück, weil es unter den Gläubigen mehr Sterbefälle als Taufen oder Wiedereintritte gibt. Zum Beispiel im mitgliederstärksten bayerischen Bistum, dem Erzbistum München-Freising: 2017 gab es dort 14 364 Taufen, zugleich aber 16 805 Bestattungen.

«Die Pfarrerinnen und Pfarrer engagieren sich nach Kräften,
kommen aber an viele Menschen nicht mehr heran», räumte Oberkirchenrat Nikolaus Blum, Leiter des evangelischen Landeskirchenamts in München, ein. Deshalb habe die Kirchenleitung im vergangenen Jahr einen Erneuerungsprozess angestoßen. «Wir wollen, dass die Menschen spüren, dass ihnen der Glaube guttut und hilft.» Dazu sei ein Perspektivwechsel nötig. «Dabei diskutieren wir ganz grundsätzlich: Wie sollten wir unsere Kirche heute organisieren, damit die Menschen möglichst gut in Kontakt kommen mit dem Evangelium, das uns die Bibel bezeugt?»

 

Pressemitteilung7/MF