Berlin: LKW rast in Weihnachtsmarkt – Keine Zweifel mehr an Anschlag

+++Ein Lastwagen hat an der Gedächtniskirche in Berlin mehrere Passanten erfasst - 12 Menschen wurden getötet, 49 verletzt +++ Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht von einem Terroranschlag +++ Die Innenminister von Bund und Ländern haben sich gegen eine Absage ähnlicher Veranstaltungen in Deutschland ausgesprochen+++ Der sogenannte Islamische Staat hat sich zu dem Attentat bekannt +++

Wir halten Sie über die aktuellen Entwicklungen und Reaktionen auf dieser Seite auf dem Laufenden:

Stadt Regensburg nimmt Stellung zu den Berliner Vorkomnissen

Nach dem vermutlich terroristischen Anschlag gestern Abend in Berlin, hat heute die Stadt Regensburg reagiert. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs sprach auf der Pressekonferenz von "keiner veränderten Sicherheitslage in Regensburg". Keiner der Christkindlmärkte wird abgesagt. Das Stadtoberhaupt mahnte aber, dass es keine absolute Sicherheit gäbe.

"Wir haben bereits alles menschenmögliche getan. Mehr können wir nicht tun. Und das wollen wir auch nicht." Oberbürgermeister Joachim Wolbergs

-Hier sehen Sie Ausschnitte aus der Pressekonferenz der Stadt Regensburg. Außerdem: Die Standler und Besucher am Neupfarrplatz sind nicht eingeschüchtert, aber dennoch sensibilisiert.-

Im Gespräch mit dem Polizeipräsidium Oberpfalz

-Albert Brück, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, ruft zur Besonnenheit auf.-

So reagieren die Veranstalter des Romantischen Weihnachtsmarktes

Die Verantwortlichen des Romantischen Weihnachtsmarktes auf Schloss Thurn und Taxis spricht von einem feigen, hinterhältigen Angriff auf unsere Kultur und unser Wertesystem: "Unsere Gedanken sind in diesen Momenten bei den vielen unschuldigen Opfern und ihren Angehörigen."

In der Pressemitteilung verurteilen die Veranstalter diese Gräueltaten. Das Ziel socher fanatischen, verbrecherischen und in ihrer Konsequenz mörderischen Aktionen sei das Erzeugen von Angst und Verunsicherung. "Dieses Ziel wird bei uns nicht erreicht

werden", heißt es weiter. Um die Besucherinnen und Besucher nach besten Kräften umfassend schützen zu können, wurde bereits in den vergangenen Jahren und insbesondere nach den letzten Ereignissen ein umfangreiches und robustes Sicherheitskonzept entwickelt. Es basiert auf starker Präsenz von offenem wie verdecktem Sicherheitspersonal, strengen Einlasskontrollen, umfassender Videoüberwachung und physikalischem Schutz durch starke Mauern und Zäune.

Laut Veranstalter "werden in den letzten Tagen des Weihnachtsmarktes noch einmal alle Kräfte mobilisier(t), um die vielen tausend Menschen, die zu uns kommen, um friedlich und fröhlich die wundervolle Vorweihnachtszeit zu begehen, vor Störungen jedweder Art zu schützen und zu bewahren".

-Wir haben mit Peter Kittel, dem Veranstalter vom Romantischen Weihnachtsmarkt auf Thurn und Taxis gesprochen. Ebenfalls waren die Veranstalter der Spitalmarktes für uns vor der Kamera. Sie haben keine Bedenken was die Sicherheit der Märkte anbelangt.-

Bischöfe rufen zum Gebet auf

Angesichts der Ereignisse ruft das Bistum Regensburg alle Pfarreien des Bistums auf, heute Abend sowie in den kommenden Tagen für die Opfer des Anschlags, deren Angehörige und um den Frieden zu beten. Bischof Rudolf Voderholzer und Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss laden die Bevölkerung heute um 18 Uhr zu einer Friedensandacht in die Neupfarrkirche ein. Es spielt der Posaunenchor der Dreieinigkeitskirche.

-Wir haben mit den verschiedenen Glaubensträgern in Regensburg gesprochen. Hier sehen Sie die Reaktionen vom evangelischen Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss, dem Domkapitular des Bistums Regensburg Thomas Pinzer und dem Imam der Ahmadiyya-Gemeinde Malik Usman Naveed.-

Mehr Polizei auf Straubinger Christkindlmarkt - Umfeld für Lieferverkehr gesperrt

Wie die Polizeiinspektion Straubing mitteilt, wird die Anzahl der Polizeistreifen während der täglichen Öffnungszeiten erhöht. Außerdem wird das Umfeld des Christkindlmarktes für den Lieferverkehr gesperrt. Dies geschieht mit Hilfe von Verkehrssperrböcke auf dem Theresienplatz , dem Ludwigsplatz, in der Steinergasse, der Aprilgasse, der Bernauergasse, der Jakobgasse und der Seminargasse. Ein privater Sicherheitsdienst kümmert sich darum, dass die Sperre eingehalten wird. Nur Personen oder Firmen mit Ausnahmegenehmigungen haben weiterhin Zufahrt.  

Video zeigt den Abtransport des LKW von Heute

-Dieses Video hat uns ein Berliner Instagram-Nutzer zur Verfügung gestellt.-

Was wir wissen

  • Gegen 20 Uhr fährt ein Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt. Der Fahrer legt eine Strecke von 50 bis 80 Metern zurück, überfährt dabei viele Menschen und zerstört mehrere Marktbuden. Einen Unfall schließt die Polizei am frühen Dienstagmorgen aus und spricht von einem «vermutlich terroristischen Anschlag». 
  • Ein Verdächtiger flüchtet und wird nahe der Siegessäule festgenommen. Auf dem Beifahrersitz wird ein toter Mann entdeckt, er starb laut Polizei vor Ort und ist polnischer Staatsbürger. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei fuhr er den Lastwagen nicht in die Menschenmenge.
  • Der festgenommene mutmaßliche Fahrer könnte nach Erkenntnissen aus Sicherheitskreisen ein Pakistaner oder Afghane sein. Er sei wohl als Flüchtling eingereist. 
  • Der Lastwagen der Marke Scania gehört einer polnischen Spedition und hatte Stahlkonstruktionen geladen. Es wird vermutet, dass der LKW in Berlin entführt wurde.
  • Der Lastwagen-Fahrer war laut Speditions-Eigentümer seit etwa 16 Uhr nicht mehr zu erreichen. 
  • Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe übernahm die Ermittlungen.
  • Der festgenommene Verdächtige ist nach Erkenntnissen der Behörden wohl im Februar als Flüchtling über die Balkanroute nach Deutschland eingereist. Das erfuhr die Deutschen Presse-Agentur am Dienstag aus Sicherheitskreisen. Demnach soll der Mann in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft gelebt haben.
  • Der sogenannte Islamische Staat hat sich mittlerweile zu dem Attentat am Berliner Breitscheidplatz bekannt.

Was wir nicht wissen

 

  • Der nach dem Anschlag festgenommene Mann hat den LKW womöglich gar nicht in den Weihnachtsmarkt gesteuert, die Zeitung "Die Welt" zitierte eine Quelle der Berliner Polizei mit den Worten: "Wir haben den falschen Mann."
  • Zu den Umständen der Festnahme des Verdächtigen sagte die Polizei zunächst nichts.
  • Der Tote im LKW war der Cousin des polnischen Speditionsunternehmers. Er wies Stich- und Schussverletzungen auf, sein Gesicht sei blutig und geschwollen gewesen.
  • Widersprüchliche Angaben gibt es dazu, was kurz vor dem mutmaßlichen Anschlag mit dem Laster passierte. Während die Polizei Hinweisen nachgeht, dass das Fahrzeug bereits in Polen von einer Baustelle gestohlen wurde, sagte der Speditionschef, der Fahrer sei auf dem Weg von Italien nach Berlin gewesen. 

Live-Aufnahmen der Berliner Morgenpost vom Breitscheidplatz in Berlin

 

Reaktionen aus der Politik

"Wir müssen nach jetzigem Stand von einem terroristischen Anschlag ausgehen. Das ist ein sehr schwerer Tag. Ich weiß, dass es für uns alle besonders schwer zu ertragen wäre, wenn sich bestätigen würde, dass ein Mensch diese Tat begangen hat, der in Deutschland um Schutz und Asyl gebeten hat. Wir wollen nicht damit leben, dass uns die Angst vor dem Bösen lähmt. Auch wenn es in diesen Stunden schwerfällt: Wir werden die Kraft finden für das Leben, wie wir es in Deutschland leben wollen: frei, miteinander und offen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel

"Wenn sich bestätigen sollte, dass dieser Anschlag von jemandem verübt worden ist, der als Asylbewerber ins Land eingereist ist, dann muss das in Berlin schon noch mal zu einem grundsätzlichen Nachdenken darüber führen, wie diese ganze Flüchtlingsaufnahme gestaltet wird. Meines Erachtens wird dann schon auch die Frage sein, ob wir das wirklich so weiterlaufen lassen können. Wir werden nicht darum herumkommen, in Deutschland sehr grundsätzlich darüber zu reden, wie wir mit diesen Risiken umgehen."

Bayer. Innenminister Joachim Herrmann

 

"Bin entsetzt über den Anschlag! Wir trauern mit den Angehörigen der Opfer und hoffen auf Genesung der Verletzten...."

Bayer. Finanzminister Markus Söder

 

 

"Schockiert von den Ereignissen in #Berlin und in Trauer um die Opfer. In Gedanken bei allen Angehörigen und den Berlinern."

 Europaabgeordneter Manfred Weber

 

"Das ist ein schlimmer Abend für Berlin und unser Land, der mich wie zahllose Menschen sehr bestürzt. Auch wenn wir noch nicht viel über die Hintergründe des schrecklichen Geschehens auf dem Berliner Weihnachtsmarkt wissen: Ich bin in Gedanken bei den Opfern, bei ihren Angehörigen, bei allen Menschen, die um Familienangehörige oder Freunde fürchten."

Bundespräsident Joachim Gauck

 

 

 "Ich wurde unmittelbar nach dem schrecklichen Vorfall auf dem Berliner Weihnachtsmarkt unterrichtet. Meine Gedanken sind jetzt bei den Angehörigen der Opfer und den Verletzen des schrecklichen Vorfalls. Ich stehe in unmittelbarem und durchgehendem Austausch mit den Sicherheitsverantwortlichen im Land Berlin und habe jede Unterstützung durch die Bundespolizei angeboten."

 Bundesinnenminister Thomas de Maizière

Reaktionen aus dem Netz

 

Abwarten. Empathisch sein. Nicht hyperventilieren. Weniger hassen. Besonnen sein. Menschen ihren Job machen lassen. #Breitscheidplatz

— Sophie Weigand (@Literatourismus) 19. Dezember 2016

 

#breitscheidplatz Großen Dank an die @polizeiberlin und an die @FeuerwehrBerlin !

— Sanni Sperling (@SanniSperling) 19. Dezember 2016

 

Wer NICHT schuld ist an #breitscheidplatz:
Merkel
Die Flüchtlinge
Die Gutmenschen

Wer schuld ist:
der, der den LkW fuhr#dasistsicher

— Ralph Ruthe (@ralphruthe) 19. Dezember 2016

 

"There's no way it was an accident," Augenzeugin/CNN

"Nach den Indizien kann es ein Unfall oder ein Anschlag sein" Innensenator #Berlin

— Marsaffe (@gamergateblogde) 19. Dezember 2016

 

Reaktion der größten islamischen Gemeinde der Welt

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland, die größte islamische Gemeinde weltweit hat sich zum mutmaßlichen Attentat von Berlin mit inzwischen mindestens 12 Todesopfern geäußert und zeigt sich "zutiefst betroffen und schockiert". Die Pressemeldung im Wortlaut:

"Mit Grauen, Entsetzen und Schmerz erfahren wir vom mörderischen Anschlag gegen Unschuldige. Es ist eine menschliche Tragödie, dass der Tat eines irregeleiteten Einzelnen, der ohne Reue und Skrupel handelte, Unschuldige zum Opfer gefallen sind.

Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Hinterbliebenen der Todesopfer und den Verletzten. Möge Gott den unschuldig Leidenden beistehen und ihr Leid mindern.

Mit aller Härte muss die Staatsgewalt gegen hasserfüllte und menschenverachtende Anschläge vorgehen um die gesellschaftszersetzende Wirkung von Anschlägen und Terror einzudämmen. Das Ziel solch entsetzlicher Taten besteht einzig darin, den Frieden in der Gesellschaft nachhaltig zu zerstören.

Wir hoffen und beten, dass diese Ereignisse für die Bemühungen um den Zusammenhalt in der Gesellschaft und die Integrationsarbeit keinen Rückschritt darstellen."

Hintergrund: Der Breitscheidplatz

Der Berliner Breitscheidplatz ist der zentrale Platz im Westen der deutschen Hauptstadt. Weithin sichtbarer Blickfänger ist die Gedächtniskirche mit der markanten Turmruine, daneben das Europacenter und zwei weitere, neue Hochhäuser. Der Platz im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf liegt zwischen Kurfürstendamm und Zoo und ist nach dem Widerstandskämpfer Rudolf Breitscheid benannt. Als sein Pendant im Ostteil der Stadt gilt der Alexanderplatz. 

Vorfall erinnert an Anschlag von Nizza

Bei einem Anschlag im Juli in Nizza waren 86 Menschen ums Leben gekommen, als ein Terrorist mit einem Lastwagen über die Uferpromenade der Mittelmeermetropole fuhr. Für diesen Anschlag hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Verantwortung übernommen. 

Die Terrormiliz forderte bereits mehrfach dazu auf, "Ungläubige" zu überfahren. Wegen der oft hohen Zahl der Opfer erregen solche Attacken große Aufmerksamkeit - unabhängig von der Motivation des Täters. Die Mittel im Kampf gegen solche Attacken sind begrenzt. Die deutsche Polizei nutzt unter anderem Nagelsperren, um Autos zum Stehen zu bringen. Ingenieure arbeiten an Systemen, die mit elektromagnetischen Impulsen Autos lahmlegen. 

TVA-Spezial zur Lage in Ostbayern

 

dpa/LS