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Bayern: Wetter beschäftigt Feuerwehr, ärgert Schiffer und freut Obstbauern

Die einen freut’s, die anderen ärgert’s: Das wechselhafte Extremwetter in Bayern bedeutet für viele Menschen im Freistaat derzeit richtig viel Arbeit. Vor allem in der Oberpfalz und in Unterfranken hatten die Feuerwehren und die Polizei alle Hände voll zu tun. Wegen überfluteten Straßen und Kellern und umgestürzten Bäumen mussten die Einsatzkräfte mehrere Hundert Mal ausrücken. In Regensburg und Marktleuthen im Landkreis Wunsiedel brachen Veranstalter Open Air-Festivals wegen der gefährlichen Witterung ab. 

Auf den Autobahnen in den Landkreisen Amberg-Sulzbach, Regensburg und Schwandorf sorgte Aquaplaning für erhebliche Behinderungen. Es gab zehn Unfälle, drei Menschen wurden leicht verletzt. Glück hatte ein 19 Jahre alter Autofahrer in Bernhardswald (Landkreis Regensburg): Ein umstürzender Baum fiel auf die Windschutzscheibe und das Dach auf der Beifahrerseite seines Wagens. Der junge Mann war laut Polizei im letzten Moment auf die Fahrspur der Gegenrichtung ausgewichen und kam deshalb einem leichten Schock davon.

Gewitterzellen mit Starkregen auf der einen Seite und staubtrockene Äcker auf der anderen Seite – die Trockenheit in vielen Regionen macht nicht nur zahlreichen Bauern zu schaffen. Auch die Binnenschiffer sorgen sich wegen der Trockenheit. Denn der extrem trockene Frühsommer wird für die Binnenschifffahrt in Bayern zunehmend zum Problem. Zu Behinderungen komme es bereits auf dem frei fließenden Donauabschnitt zwischen Straubing und Vilshofen, berichtete das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Regensburg der Deutschen Presse-Agentur. Dort seien die Pegelstände – wie meist in trockenen Sommern – zuletzt stark gesunken. Von Niedrigwasser könne aber noch keine Rede sein, berichtete der Gewässerkundler bei der Behörde, Franz Payer.

Für die Mainschifffahrt in Unterfranken ist die derzeitige Trockenheit hingegen noch kein Thema. Dort sorgen Stauwehre und Schleusen für stabile Pegelstände auf dem Main.

Von frühreifen Früchten dank der Sommerhitze profitieren zudem Bayerns Landwirte. Sie können in diesem Jahr besonders früh Erdbeeren, Kirschen und Spargel ernten. Der Spargelertrag ist dabei nach Experteneinschätzung sehr reich ausgefallen. Veränderte klimatische Bedingungen wie der sehr warme April begünstigten das Wachstum dieser Kulturen, erklärte Theo Däxl, Obstbauexperte vom Bayerischen Bauernverband in München.

Im Regelfall würden Kirschen erst gegen Ende Juni reif, dies sei nun schon seit Anfang des Monats der Fall. Schwierigkeiten gebe es hingegen bei Salat und Radieschen, die Bauern mit hohen Kosten wässern müssten. Gleichzeitig seien die veränderten Wetterbedingungen gefährlich für erst im Frühjahr angepflanzte Sorten wie Mais oder extra für Bienen angelegte Blühstreifen, erläuterte der Sprecher des Bayerischen Bauernverbands, Markus Peters.

Lange Trockenperioden im Wechsel mit starken Regenschauern könnten dazu führen, dass Pflanzen nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden oder zu viel Wasser auf einmal erhalten. Für die vergangenen drei bis fünf Jahre, so Peters, müsse man von einem extremen Wechsel der Wetterlagen sprechen. Nach einer langen Trockenperiode wie im April – der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen – hofften die Bauern dann auf mehrere Tage gemäßigten Regen ohne stärkere Unwetter.

Meteorologe Andreas Brömser vom Deutschen Wetterdienst in Weihenstephan bestätigte den Wärmetrend: Dieser sei ganz klar auf den Klimawandel zurückzuführen. Ob es sich bei dem scharfen Wechsel von Regen und Trockenheit sowie heftiger ausgeprägten Unwettern um eine kleinere Schwankung handelt, vermochte er nicht zu sagen. Tatsächlich komme aber speziell die Frühjahrstrockenheit vermehrt vor, so dass man insgesamt von einem langfristigen Wandel sprechen könne.

dpa/MF