Bayern: Warnstreiks in Metall- und Elektroindustrie

Nach den ergebnislosen Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie sind in Bayern erste Warnstreiks angelaufen. Bei der bundesweit wohl größten Aktion bei der Volkswagen-Tochter Audi in Ingolstadt legten in der Nacht zu Freitag rund 5000 Mitarbeiter für zwei Stunden die Arbeit nieder. Mit Trillerpfeifen und roten Papp-Händen mit «Give me five!»-Schriftzug forderten sie fünf Prozent mehr Geld für die gut 800 000 Beschäftigten in Bayern. Rund 250 Autos liefen Freitagfrüh nach Gewerkschaftsangaben wegen des Streiks nicht vom Produktionsband.

Am Donnerstag waren die Gespräche in Augsburg ergebnislos unterbrochen worden. Die Arbeitgeber boten eine Entgelterhöhung von 2,1 Prozent für zwei Jahre in zwei Stufen rückwirkend ab 1. April an sowie eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent eines Jahresgehaltes. «Angesichts der wirtschaftlichen Realität, niedrigem Produktivitätszuwachs und niedriger Inflation gehen die Arbeitgeber mit diesem alternativen Angebot in Vorlage», meinte die Verhandlungsführerin des Arbeitgeberverbandes vbm, Angelique Renkhoff-Mücke.

Der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler kritisierte hingegen, dass dies auf zwölf Monate gerechnet nur eine Entgelterhöhung von 1,05 Prozent sei. Die Gegenseite bewege sich in den Gesprächen «im Schneckentempo», sagte er. «Die Arbeitgeber bieten uns mit ihren Vorschlägen die Wahl zwischen Pest und Cholera.» Bereits am ersten Tag seien nun die Mitarbeiter in rund 40 Betrieben zu Warnstreiks aufgerufen. Nach Ende der Friedenspflicht sollte es außer bei Audi unter anderem auch bei den Nachtschichten von Airbus Helicopter im nordschwäbischen Donauwörth, von Siemens Healthcare im oberpfälzischen Kemnath sowie in mehreren Werken in Schweinfurt zu Aktionen kommen. Im Laufe des Freitags waren weitere Warnstreiks beispielsweise bei MTU in München, bei Kuka in Augsburg oder bei Schaeffler in Herzogenaurach geplant. Nach Medieninformationen sind in Ostbayern unter anderem Streiks bei Siemens in Cham und bei Mahle-Behr in Neustadt an der Donau geplant.

Bis zum 5. Mai seien in weit über 100 Betrieben mehrere 10.000 Beschäftigte zu vorübergehenden Arbeitsniederlegungen aufgerufen, kündigte Wechsler an. In der zweiten Maiwoche soll dann in Bayern weiterverhandelt werden.

Foto: Symbolbild

dpa/MF