Bayern setzt nicht alle Einsatzkräfte zur Corona-Nachverfolgung ein

Die Nachverfolgung der Infektionsketten ist eines der wichtigsten Mittel in der Pandemie-Bekämpfung. Offenbar kommen aber gar nicht alle zur Verfügung stehenden Personen zum Einsatz.

 

Trotz der seit Monaten extremen Arbeitsbelastung an den Gesundheitsämtern setzt Bayern noch nicht alle verfügbaren Zusatzkräfte zur Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten ein. Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Landtag hervor. Demnach wurde das Hilfskräfte-Potenzial bislang noch nicht ausgeschöpft, weshalb es auch keine Notwendigkeit gebe, auf die Unterstützung weiterer externer Dienstleister zurückzugreifen.

Wegen der seit Wochen hohen Inzidenz von deutlich mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche in einer Region ist eine Nachverfolgung aller Ansteckungsketten schon lange nicht mehr möglich. Bund und Länder hatten immer wieder betont, dass eine Nachverfolgung erst wieder möglich sei, wenn die Inzidenz von 50 erreicht wird.

Für die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion, Christina Haubrich, ist dies nicht nachvollziehbar: «Das macht schon stutzig.» Es sei lange bekannt, dass die Gesundheitsämter am Anschlag arbeiteten, aber mit der Nachverfolgung von Kontakten nicht hinterherkämen. Wenn in einer solchen Lage Personal-Reserven ungenutzt blieben, «muss die Söder-Regierung das untersuchen und eingreifen».

Auch der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Dominik Spitzer, reagierte irritiert: «Das ist schon ein starkes Stück.» Er habe schon im Dezember die Mobilisierung aller Hilfskräfte gefordert, nachdem eine Anfrage ergeben habe, dass die Reserve von 2200 Personen überhaupt nicht zum Einsatz komme. «Die Rückverfolgung der Infektionsketten ist bei der Pandemie-Bekämpfung das A und O. Es ist untragbar, dass die Ämter aufgrund dieser Schlamperei die Kontaktpersonen nur mit Rückstand von mehreren Tagen ermitteln können.»

Nach Angaben des Ministeriums stammt im Freistaat das Personal für die Kontaktnachverfolgung «bislang nahezu ausschließlich» aus eigenen Mitarbeitern und der Bundeswehr. Das Ministerium bezifferte die Zahl der eingesetzten Soldaten auf rund 560.

Ferner kritisierte Haubrich, dass die Art und Weise der Kontaktnachverfolgung nach wie vor nicht effizienter gestaltet werde. So erfolge die Erfassung von möglichen Kontakten auf einem klassischen Notizblatt und nicht digital. Es gebe zudem keine Analyse, wie lange es dauere, bis nach einem positiven Befund alle Kontakte identifiziert werden können.

dpa

 

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