Bayern rechnet mit großer Akzeptanz für unterirdische Stromautobahnen

Die Vorschläge für die unterirdische Verlegung der umstrittenen Starkstromautobahnen durch ganz Deutschland stoßen bei der bayerischen Staatsregierung auf große Zustimmung. «Wir gehen von einer erheblichen Reduzierung des Widerstandes aus», sagte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) am Dienstag in München. Sie sei der festen Überzeugung, dass den betroffenen Kommunen, Bürgern und Grundstücksbesitzern eine Erdverkabelung besser zu vermitteln sei als der Bau von bis zu 70 Meter hohen Masten für Freileitungen.

Nach den Arbeiten werden es keine Schneisen geben, auf dem Boden könne ganz normal Landwirtschaft betrieben werden. Nur bei tiefwurzelnden Pflanzen wie Bäumen gebe es Einschränkungen. Bayern lege großen Wert auf den Einsatz modernster Technologien.

Anders als bei dem vor rund zwei Jahren auch wegen bayerischer Proteste gescheiterten ersten Versuch der Trassenplanung setzen die neuen Vorschläge nicht nur auf Erdverkabelung, sondern auch auf mehr Dialog und Mitsprache. So sieht das Konzept für beide Leitungen jeweils einen Kilometer breite Trassenkorridor-Alternativen vor. Ab der kommenden Woche sollen die Planungen für Informationsbörsen im gesamten Trassenbereich starten. Die danach ermittelte Vorzugstrasse soll bis Ende März 2017 bei der Netzagentur eingereicht werden. Ein Baubeginn ist frühestens 2020 möglich. Aigner: «Ich erwarte von Tennet, dass der Bürgerdialog zum Erfolg führt.»


Video: Wir haben bereits am Dienstag die Reaktionen aus Ostbayern gesammelt

Die Staatsregierung wertete die zuvor veröffentlichten Vorschläge als großen Erfolg für Bayern. «Die wichtigste Botschaft lautet: Wir haben uns dafür eingesetzt, dass keine Monstertrassen kommen, sondern dass wir Erdverkabelung bekommen», sagte Aigner. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte sich ebenfalls positiv geäußert: «Unterirdische Infrastruktur ist nicht ein Problem, sondern die Lösung für die Zukunft», sagte er dem «Münchner Merkur» (Dienstag).

Die Gesamtkosten für den Bau der beiden Stromautobahnen SüdLink und SüdOstLink mit sechs oder gar sieben Milliarden Euro seien kein Anlass für Kritik, betonte Aigner. Zum einen seien die Investitionskosten auf 40 Jahre angelegt, zum anderen würden bereits jetzt bestehende Netzengpässe im Falle eines Nichtbaus ebenfalls jährliche Kosten in Milliardenhöhe mit sich bringen.

Die beiden gigantischen Stromautobahnen enden in Bayern, der SüdLink in Unterfranken, der SüdOstLink in Niederbayern. Sie sollen Windstrom aus dem Norden transportieren. Von der Leitungsführung betroffen sind auch die Oberpfalz und Oberfranken. Woher die Leitungen am Ende genau laufen, sei einzig von fachlichen Gründen abhängig, betonte Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer (CSU): «Es gibt keine politische Trasse.»

Während die bayerische Wirtschaft die neue Bewegung in der Trassendebatte lobte, gab es von der Opposition im Landtag Kritik. Grüne und SPD warfen der CSU vor, die Kosten immens in die Höhe getrieben zu haben. Zudem hätten Äußerungen Seehofers, wonach die Leitungen gar nicht benötigt würden, zu einer tiefen Verunsicherung geführt.

Anders als SPD und Grüne lehnen die Freien Wähler die Leitungen nach wie vor ab: «Mit riesigem Aufwand werden hier Trassen mit erheblichen Auswirkungen auf Mensch und Natur vorbereitet, die eigentlich überhaupt nicht erforderlich sind», sagte Parteichef Hubert Aiwanger. Auch der Vorsitzende des Bund Naturschutz in Schweinfurt, Edo Günther, lehnte den Bau generell ab.

Auch aufkommende Kritik, wonach Unterfranken von dem neuen Vorschlag für den SüdLink besonders betroffen sei, wies Aigner zurück. Die Leitung werde nicht über Grafenrheinfeld hinausgehen. Dies sei wegen der bereits bestehenden Überlastung des dortigen Netzknotenpunktes sicherheitstechnisch zu begründen und das werde die Staatsregierung auch tun. Pschierer kündigte zudem an, auch den Anliegen für finanzielle Entschädigungen von Landwirten und Waldbesitzern bestmöglich nachkommen zu wollen.

Engpässe in der Stromversorgung müssen die Bayern laut Aigner auch nicht fürchten, selbst wenn die Leitungen erst deutlich nach dem Atomausstieg 2022 ans Netz gehen sollten. «Es sind genügend Kapazitäten vorhanden, es ist technisch machbar, auch wenn es Geld kosten wird», sagte Aigner.

dpa