Bayern plant Zukunft mit Coronavirus

Trotz deutschlandweit steigender Zahlen von Coronavirus-Erkrankungen und einen neuen Fall in Bayern sind im Freistaat derzeit keine größeren Einschränkungen geplant. «Wir sehen noch nicht die Notwendigkeit, Schulen zu schließen», sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Freitag in München. Auch werde es derzeit keine prophylaktische Absage von Großveranstaltungen wie etwa in der Schweiz geben. Ferien-Rückkehrer sollen in Zügen, Flugzeugen und auf der Autobahn mit Info-Materialien sensibilisiert werden. Um schnell und zielgerichtet auf die Virus-Ausbreitung reagieren zu können, arbeiten Vertreter des Gesundheits- und des Innenministeriums ab sofort auch in einem Krisenstab zusammen.

 

Huml betonte, dass jegliche Schutzmaßnahmen immer abhängig vom weiteren Verlauf der Ausbreitung zu bewerten seien. Dies gelte auch für proaktive Schulschließungen, sollte etwa nicht mehr erkennbar sein, wie die Infektionswege verlaufen. Mit Blick auf die nun endenden Schulferien sagte Huml, dass sie derzeit keinen Anlass für Eltern sehe, gesunde Kinder ohne Symptome vorsorglich zu Hause zu lassen. Umgekehrt appellierte sie an Eltern, kranke Kinder – etwa mit Erkältungen – nicht in Schulen oder Kindergärten zu schicken.

Das Kultusministerium hat derweil die Schulen über die Abläufe bei Verdachtsfällen informiert: Die Schulleitung soll dann Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufnehmen und die Erziehungsberechtigten informieren. Über weitere Maßnahmen entscheidet das Gesundheitsamt. Begründete Verdachtsfälle seien Personen mit Atemwegssymptomatik, die sich in den vergangenen 14 Tagen entweder in den Risikogebieten in China, Italien, Südkorea oder im Iran aufgehalten haben oder die engeren Kontakt zu einem nachgewiesen Infizierten hatten.

Anders als in der Schweiz sollen wegen des neuartigen Coronavirus in Bayern keine Messen oder andere Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abgesagt werden. Die Staatsregierung appellierte aber an die Veranstalter, Aussteller aus Risikogebieten auszuladen. Sollte das nicht möglich sein, müsse überdacht werden, ob die komplette Messe abgesagt wird. Die Veranstalter werden zudem gebeten, alle in naher Zukunft geplanten Events den Gesundheitsbehörden zu melden.

Sollte es zu einer größeren Ausbreitung an einem Ort kommen, sieht die Planung der Staatsregierung auch nicht die Abriegelung ganzer Ortschaften vor – wie etwa in Italien. «Ein ganzes Dorf abzuriegeln, steht definitiv nicht zur Debatte», sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Personen, die krank seien oder bei denen ein Verdacht bestehe, sollten isoliert und unter Quarantäne gestellt werden. Generell seien Polizei, Feuerwehr und andere Hilfsorganisationen sehr gut auf die Lage vorbereitet, personell wie bei der Ausstattung.

Um in den Ankerzentren für Flüchtlinge eine Ausbreitung zu verhindern, würden alle neu ankommenden Flüchtlinge und Asylbewerber schon bei der Ankunft auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet, sagte Herrmann. Bislang sei aber kein positiver Fall dabei gewesen.

Der 15. Fall in Bayern sei Mitarbeiter des Universitätsklinikums Erlangen und werde dort stationär behandelt, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mit. Der Mann hatte demnach in Deutschland Kontakt mit einem Italiener. Dieser sei erst nach der Rückkehr nach Italien positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Das Gesundheitsamt habe Kontaktpersonen ermittelt, die sich häuslich isolieren und ihren Gesundheitsstatus beim Gesundheitsamt melden sollten.

Die meisten Sars-CoV-2-Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. 15 von 100 Infizierten erkrankten schwer, hieß es vom Robert Koch-Institut. Sie bekommen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung. Nach bisherigen Zahlen sterben ein bis zwei Prozent der Infizierten, weit mehr als bei der Grippe.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schrieb nach der Sitzung des Kabinettsausschusses bei Facebook: «Wir nehmen die Situation sehr ernst und tun alles, um eine Ausbreitung einzudämmen.» Die Sicherheit der Bevölkerung stehe an erster Stelle. Bayern stimme sich in der Sicherheitsstrategie eng mit dem Bund ab.

Derweil klagen laut Huml schon viele Mediziner in Bayern über Probleme bei der Beschaffung von geeigneter Schutzkleidung für die Behandlung von Coronavirus-Patienten. Die Staatsregierung sei aber in Gesprächen mit Herstellern, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Ärzteschaft und der Bundesregierung und suche nach Lösungen. Es werde auch diskutiert, ob die Tests auf eine Infektion «materialschonender» an einem zentralen Ort erfolgen könnten. So seien weniger Schutzanzüge notwendig. Huml betonte aber auch, dass jeder Arzt auch selbst dafür verantwortlich sei, sich mit Schutzkleidung zu versorgen, um Tests bei potenziell Erkrankten durchzuführen.

Dagegen rechnet das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bei den Labortests mit steigenden Kapazitäten in Bayern. Derzeit könnten täglich 1200 Proben auf das Coronavirus untersucht werden. «Das wird schon noch mehr werden», sagte LGL-Leiter Andreas Zapf. Seit Januar werde die Laborkapazität erhöht, noch seien nicht alle Einrichtungen in Bayern damit befasst. Zapf betonte, wie wichtig die Unterbrechung der Infektionsketten sei.

In der kommenden Woche soll es Gespräche mit den Krankenhäusern in Bayern über deren Kapazitäten geben. Engpässe etwa bei Isolierzimmern erwarte sie keine, sagte die Ministerin. Je nach Bedarf sei es aber denkbar, dass ein gesamtes Krankenhaus für die Versorgung von Coronavirus-Patienten genutzt werde. Dann müssten die anderen Patienten in andere Kliniken verlegt werden.

 

 

1200 Untersuchungen auf Coronavirus pro Tag in Bayern möglich

Allein in Bayern können nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) derzeit täglich 1200 Proben auf das neuartige Coronavirus untersucht werden. «Das wird schon noch mehr werden», sagte LGL-Leiter Andreas Zapf am Freitag in München nach einer Sitzung mit Mitgliedern des Kabinetts. Die aktuelle Zahl beruhige ihn aber schon mal. Seit Januar werde die Laborkapazität erhöht, noch seien nicht alle Einrichtungen in Bayern damit befasst.

 

Bayerische Familienministerin mahnt Eltern zu Besonnenheit

Bayerns Familienministerin Carolina Trautner (CSU) rät Eltern angesichts des Coronavirus zu Besonnenheit. «Der Betrieb der Kitas läuft mit den ohnehin üblichen und allseits bekannten Hygienemaßnahmen uneingeschränkt weiter», sagte Trautner am Freitag. Für Eltern und Kita-Personal wurde eine Hotline vom Landesamt für Gesundheit eingerichtet.

Die CSU-Politikerin verwies auf die normale jahreszeitbedingte Verbreitung von Erkältungskrankheiten und Grippe. Bei Husten oder Schnupfen sollten Eltern ihre Kinder generell nicht in Kitas oder Schulen schicken und bis zur vollständigen Genesung zu Hause lassen. Bei Corona-Verdacht oder wenn Kinder sich in «bekannten Verbreitungsgebieten» aufgehalten haben, dürfe die Einrichtung nicht mehr besucht werden. «In diesen Fällen muss umgehend telefonisch Kontakt mit dem Hausarzt oder dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 aufgenommen werden», so das Familienministerium.

Hotline für besorgte Eltern

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat für Fragen eine Hotline eingerichtet, an die sich besorgte Eltern und Kita-Personal wenden können: 09131/6808-5101.

 

Bayern richtet Krisenstab zum Coronavirus ein

Bayern richtet einen Krisenstab zum Coronavirus ein. Das kündigte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Freitag nach einer Sitzung des Kabinettsausschusses in München an. Darin sei vor allem das Innenministerium einbezogen. Bislang hatte eine Arbeitsgruppe des Gesundheitsministeriums rund 25 Mal getagt, sagte Huml. Diese sei zuletzt schon mit Vertretern anderer Ministerien verstärkt worden.

 

Bayern rät: Messeaussteller aus Coronavirus-Risikogebieten ausladen

Wegen des Ausbruchs des Coronavirus bittet die Staatsregierung Messeveranstalter in Bayern, Aussteller aus Risikogebieten auszuladen. Sollte das nicht möglich sein, müsse überdacht werden, ob die komplette Messe abgesagt wird, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Freitag nach einer Sitzung des Kabinettsausschusses in München. Es gehe um Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern.

Es sollten nicht alle Großveranstaltungen abgesagt werden, betonte die Ministerin. Die Veranstalter im Freistaat sollten aber alle in naher Zukunft geplanten Events den Gesundheitsbehörden melden. Dann solle gemeinsam entschieden werden, wie man damit umgeht, sagte Huml.

 

Bayern testet alle ankommenden Flüchtlinge auf das neue Coronavirus

Bayern testet alle neu ankommenden Flüchtlinge und Asylbewerber schon bei der Ankunft auf das neuartige Coronavirus. Das sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag nach einer Sitzung des Kabinettsausschusses in München. Bislang sei kein positiver Fall dabei gewesen. Gegebenenfalls solle der Betroffene sofort in Quarantäne kommen, sagte Herrmann weiter.

 

Ursprüngliche Meldung:

Wegen der steigenden Zahl neuer Coronavirus-Erkrankungen in Deutschland kommt am Freitag (11.00 Uhr) die bayerische Staatsregierung zusammen. In der Staatskanzlei wollen sich Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und mehrere Minister in einem eigens wegen Covid-19 einberufenen Kabinettsausschuss über die Lage in Bayern und den anderen Bundesländern austauschen. An der Sitzung nehmen auch der Präsident des Robert Koch-Institutes (RKI), Lothar Wieler, und der Leiter des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf, teil.

Im Fokus der Sitzung steht unter anderem die Frage, wie der Freistaat auf eine möglicherweise bevorstehende Ausbreitung vorbereitet ist. Dabei geht es etwa um vorhandene Kapazitäten von geeigneten Quarantänebetten in Kliniken. Nachdem in mehreren Bundesländern neue Erkrankungen nachgewiesen wurden, sieht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Deutschland «am Beginn einer Corona-Epidemie».

Im Kabinettsausschuss sind Gesundheitsministerin Melanie Huml, Innenminister Joachim Herrmann, Staatskanzleiminister Florian Herrmann, Sozialministerin Carolina Trautner, Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (alle CSU), Kultusminister Michael Piazolo, Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert (beide Freie Wähler).

In Bayern war Ende Januar der erste Coronavirusfall in Deutschland nachgewiesen worden. Zwischenzeitlich waren im Freistaat 14 Menschen mit dem neuartigen Erreger infiziert. Das Virus Sars-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 verursachen. Die meisten Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. 15 von 100 Infizierten erkranken aber laut RKI schwer. Dann drohen Atemprobleme oder eine Lungenentzündung.

dpa