Bayern: Jeder fünfte Luchs wurde illegal getötet

Jeder fünfte Luchs ist in den vergangenen Jahren im bayerischen Wald illegal getötet worden. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie vom WWF, der Universität Freiburg und dem Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin gekommen.

Die Studie macht ebenfalls deutlich, dass die illegale Jagd den Bestand im Grenzgebiet von Deutschland, Tschechien und Österreich stark beeinflusst. In den 1980er Jahren siedelten tschechische Behörden wieder 18 Luchse in einem Nationalpark an. Bis Mitte der 90er Jahre entwickelte sich die Population sehr gut, doch dann stagniert der Bestand und ging zeitweise sogar zurück. 

Zudem kommen die Forscher zu dem Schluss, dass bis 1996 nur drei bis vier Prozent der Tode nicht erklärbar sind, ab 1998 liegt der Anteil mit durchschnittlich 15 bis 20 Prozent deutlich höher. Die Ursache dafür sind mit großer Wahrscheinlichkeit illegale Tötungen.

“Die Tötung von streng geschützten Tieren ist kein Kavaliersdelikt. Auch hierzulande sterben jährlich Greifvögel, Wölfe, Fischotter und Luchse durch Fallen, Gift oder Kugeln. Bisher werden die Täter trotz des hohen Strafmaßes nur in den seltensten Fällen ermittelt, geschweige denn verurteilt.“ - Dr. Diana Pretzell, Leiterin Naturschutz Deutschland vom WWF

Die bekannten Fälle sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Und selbst diese bleiben meist ungestraft, obwohl das Gesetz Zahlungen von bis zu 50.000 Euro oder bis zu fünf Jahre Gefängnis vorsieht. Drei Jahre ist es her, dass die letzte illegale Luchstötung im bayerischen Wald bekannt wurde. 

Der Täter hatte zwei Luchse erschossen, die Vorderläufe abgetrennt und diese in der Nähe von Luchsforschern abgelegt. Gegen einen Verdächtigen wird bereits ermittelt, das Ergebnis sollte in wenigen Wochen vorliegen.

Luchs-Ermittlungen: Aufklärung gefordert
Luchse getötet: Verdächtiger ermittelt

Der WWF fordert seit langem eine striktere Strafverfolgung von illegalen Tötungen geschützter Wildtiere in Deutschland und hat dafür einen Fünf-Punkte Plan erarbeitet. Mit Partnern aus Tschechien, Österreich, Italien und Slowenien setzt er sich im Projekt 3Lynx für den länderübergreifenden Schutz der seltenen Raubkatze ein. Über den Wilderei-Notruf des WWF können Hinweise auf Straftaten zudem jederzeit und anonym gemeldet werden.

Es gibt auch erfreuliche Nachrichten bei den Luchsen: Das Luchspaar im Gehege des Nationalparkzentrums Falkenstein hat vor wenigen Tagen Nachwuchs bekommen. Die Mutter versteckt das Jungtier aber momentan noch.

 

Hintergrund

In der bayerisch-böhmisch-österreichischen Population leben insgesamt rund 60 bis 80 Tiere. Luchse sind Einzelgänger mit sehr großen Revieren. Je nach Nahrungsangebot und Lebensraum besetzen Männchen bis zu 400 Quadratkilometer und überlappen dabei mit den Revieren mehrerer Weibchen. Das Luchsprojekt Bayern liefert wichtige Daten, um die Zahl der Luchse zu ermitteln, beispielsweise durch den Einsatz von Wildkameras.

 

dpa/Presemitteilung WWF/MB