Bayern: Ab Dienstag Warnstreiks in der Metallindustrie

Die Fronten in den Tarifverhandlungen sind verhärtet. In Bayern ging es kurz vor Ablauf der Friedenspflicht noch einmal hoch her, nicht einmal ein neuer Verhandlungstermin wurde vereinbart. Am Montag läutet die IG Metall die «heiße Phase» ein.

 

Auch der letzte Versuch einer Annäherung im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie ist am Freitag in Bayern erfolglos geblieben - jetzt gibt es in der Nacht zum Dienstag Warnstreiks, auch im Freistaat. «In der Nacht beginnen mit Ablauf der Friedenspflicht um null Uhr die Warnstreiks in Bayern», sagte IG-Metall-Landesbezirkschef Johann Horn. Details verrate er nicht, nur so viel: «Sie werden mächtig werden.»

In der vierten Verhandlungsrunde in München sei es am Schluss «ein bisschen emotional» zugegangen, sagte Horn. Die Arbeitgeber «provozieren den Widerstand der Beschäftigten». Die Verhandlungsführerin des Arbeitgeberverbands vbm, Angelique Renkhoff-Mücke, sagte: «Wir haben uns verständigt, dass wir erst mal eine Denkpause machen.» Einen neuen Verhandlungstermin gibt es in Bayern im Gegensatz zu anderen Tarifbezirken noch nicht.

Mit einem bundesweiten Aktionstag am Montag will die Gewerkschaft die Beschäftigten auf die «heiße Phase» der Tarifauseinandersetzung einstimmen. In München plant die IG Metall eine Sternfahrt mit mehreren hundert Autos zur Theresienwiese. Dort sollen nach dem IG-Metall-Hauptkassierer Jürgen Kerner die Betriebsratschefs von BMW und MAN reden und die Stimmung in den Betrieben schildern. In Nürnberg plant die IG Metall Aktionen vor den Werkstoren von 20 Betrieben und eine Kundgebung auf dem Kornmarkt.

Renkhoff-Mücke sagte, angesichts der kritischen Lage vieler Unternehmen und der angespannten Lieferketten seien die Warnstreiks jetzt unverständlich. Sie sei enttäuscht. Die IG Metall fordert vier Prozent mehr Lohn für die Beschäftigen - wo es in einem Betrieb schlecht läuft, in Form von Lohnausgleich bei einer Senkung der Arbeitszeit. Horn sagte, die Arbeitgeber hätten «für das Jahr 2021 weiter eine Nullrunde, also nichts» angeboten, und sie wollten obendrein noch Tarifstandards abbauen.

Die Arbeitgeber fordern, dass Krisenbetriebe bei bestimmten Bilanzzahlen ohne lange Nachverhandlungen mit der IG Metall automatisch vom Tarifvertrag abweichen können - zum Beispiel wenn sie Verlust schreiben oder die Aufträge um mehr als 25 Prozent einbrechen, wie Renkhoff-Mücke erklärte. Horn sagte: «Das ist mit uns nicht zu machen!»

Die Betriebe müssen in der Rezession und der Corona-Krise auch den Strukturwandel mit Digitalisierung und E-Mobilität stemmen. Von den 840 000 Beschäftigten der Branche in Bayern ist etwa jeder sechste in Kurzarbeit. Horn sagte, es gebe aber auch Gewinne und Verteilungsspielräume. Die Beschäftigten, die zu Beginn der Corona-Krise vor einem Jahr den alten Tarifvertrag schon ohne Erhöhung einfach verlängert hatten, «müssen an der wirtschaftlichen Erholung beteiligt werden».

dpa

Foto: Archiv

 

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