Bayerische Diözesen reagieren betroffen auf Missbrauchsstudie

Mit Betroffenheit haben die bayerischen Diözesen auf die Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche reagiert. «Es erfüllt mich mit tiefer Scham und mit großer Trauer. Wir können die Opfer nur um Vergebung bitten und versuchen, unseren Beitrag zur Heilung von Wunden zu leisten», sagte der Passauer Bischof Stefan Oster am Dienstag. Ähnlich äußerte sich der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs: «Diese Straftaten haben das Leben von Menschen in übler Weise geprägt.»

Die Diözesen müssten nun eine ganze Menge Hausaufgaben erledigen und sich unter anderem um einheitliche Standards kümmern, etwa bei der Aktenführung oder bei der Prävention sexuellen Missbrauchs, erklärte Fuchs. Das Bistum setzt sich schon länger mit dem Thema auseinander, insbesondere auch im Zusammenhang mit körperlichem und sexuellem Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen.

Video: In Regensburg wurden am Dienstag Daten präsentiert

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sprach bei der Vorstellung der Studie in Fulda (Hessen) von einem Wendepunkt, an dem sich die katholische Kirche angesichts des Missbrauchsskandals befinde. «Hier geht es nicht um Stimmung und persönliche Befindlichkeiten, es geht um die Opfer und um die Zukunft der Kirche. Die Menschen glauben uns nicht mehr. Wir müssen handeln und dann hoffen, dass man uns wieder vertraut», sagte der Münchner Erzbischof bei der Vollversammlung der Bischöfe. Für die Studie waren mehr als 38 000 Akten aus den Jahren 1946 bis 2014 untersucht worden. Danach wurden mindestens 3677 Minderjährige von 1670 Klerikern missbraucht.

Zahlen, die nach Einschätzung der Experten nur die Spitze des Eisbergs sind, auch in Bayern. Im Erzbistum Bamberg waren Hinweise auf sexuellen Missbrauch und Grenzverletzungen in 41 Personalakten entdeckt und 88 Opfer zwischen 4 und 20 Jahren gezählt worden, darunter 20 Ministranten. Im Bistum Passau gab es bis 2014 laut der Studie 28 Beschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs durch Geistliche. In Würzburg kamen die Forscher auf 62 Kleriker, die beschuldigt wurden, darunter 48 Priester des Bistums, elf Ordenspriester und zwei Diakone.

In Regensburg wurden laut Aktenlage 81 Priester und von der Diözese beauftragte Ordensmänner beschuldigt, in 16 Fällen sei der Verdacht nicht bestätigt worden. Ähnlich wie im Rest Deutschlands waren die meisten Betroffenen zwischen 7 und 13 Jahre alt. 16 Fälle ereigneten sich laut Studie im Internat der Domspatzen. Die Vorfälle bei dem berühmten Chor waren schon 2017 in einer Studie untersucht worden. Neben den mehr als 500 körperlichen Misshandlungen war von mindestens 67 sexuellen Übergriffen die Rede. Die unterschiedlichen Zahlen erklärt die Regensburger Präventionsbeauftragte Judith Helmig mit unterschiedlichen Ansätzen. Die bei der Bischofskonferenz vorgestellte bundesweite Untersuchung konzentriere sich auf Kleriker, während im Domspatzen-Bericht auch Frauen und weltliche Kräfte als Beschuldigte infrage kamen.

Im Erzbistum München wurden laut Studie 94 Priester und vier Diakone beschuldigt. Das Ergebnis bestätige eine Untersuchung aus dem Jahr 2010, hieß es aus dem Ordinariat. Die tatsächlichen Zahlen dürften aber deutlich höher liegen, waren sich alle Bistümer einig. Nicht zuletzt, weil Akten früher verschwanden und manipuliert wurden. Das Augsburger Bistum sprach von 164 Opfern und 85 Beschuldigten.

dpa/MF