Auf Spurensuche: Was Salzburg mit Cham zu tun hat

Am Wochenende hat der zweite Präsident des Salzburger Landtags, Dr. Sebastian Huber, die Region besucht. Unter anderem war der Politiker in Cham. Dort begutachtete er ein historisches Wandgemälde, das offenbar eine der ältesten Darstellungen der Stadt Salzburg darstellt.

Ein historisches Wandgemälde der Stadt Cham könnte bald zu einem beliebten Touristenziel werden: Das Wandgemälde in der Secco-Technik in der „Kaffeeküche“ in Cham neben den Rathaus zeigt offenbar eine der ältesten Darstellungen der Stadt Salzburg überhaupt. Die Wandmalerei auf trockener Putzfläche ist ein vergleichsweise neuer Fund: Im Jahr 1995 wurde das Wandgemälde bei Umbauarbeiten entdeckt. Nun rückt das Gemälde in den Blickpunkt. Für den zweiten Präsident des Salzburger Landtags, Dr. Sebastian Huber, ist das Gemälde von großem historischen Wert. Er reiste deshalb mit Mitarbeitern des Salzburger Landtags eigens nach Cham, um das Gemälde begutachten zu können. Erst vor kurzem unterhielt sich Huber über das Gemälde mit dem bayerischen Europaausschussvorsitzenden Tobias Gotthardt – und spontan wurde der Plan geboren, vor Ort das Gemälde persönlich in Augenschein zu nehmen. Stadtrat Frank Aumeier, der Referent für Städtepartnerschaften der Stadt Cham, und Chams Bürgermeister Martin Stoiber sagten sofort ihre Unterstützung bei dieser besonderen Spurensuche zu.

Außerordentliche Entdeckung

Für den Stadtarchivar der Stadt Cham, Timo Bullemer, und Dr. Sebastian Huber steht nach dem Besuch und der Ansicht mehrerer historischer Unterlagen fest: Es kann sich bei dem Gemälde tatsächlich nur um die Stadt Cham handeln. Die freigelegten Wandgemälde sind Teil einer Raumdekoration, die nach der benannten und datierten Darstellung das Salzburger Schlosses in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden sind. Die Wandmalereien zieren die gesamte Frieszone der ursprünglich geraden Wände dieses Raumes. Der Raum war zum Entstehungszeitpunkt der Gemälde nicht gewölbt. Die Vermauerung der Wandmalereien durch das Einziehen eines Tonnengewölbes kann nur in einem zeitlichen Intervall, nämlich nach 1531 und vor 1850, näher bestimmt werden. Die freigelegten Wandgemälde zeigen zwei verschiedene Darstellungen. Eine davon ist bekannt und datiert: Salzburg das Schloss 1531.

Die Entdeckung einer so frühen Darstellung von Salzburg ist außerordentlich, da die älteste Darstellung der Stadt Salzburg aus dem Jahr 1529 stammt. Leider ist die frühe Funktion dieses Raumes bis jetzt nicht geklärt.

Der Grund, warum in Cham diese Gemälde entstanden ist

Um welche der 3,4 Meter breiten Stadtsilhouetten es sich handelt ist nicht eindeutig eruierbar. Gesichert ist lediglich die Abbildung des Salzburger Schosses, da man oberhalb dieses Bildes die Inschrift „Salzburg und das schloss 1531 iar“ entziffern kann. Neben dem Wandgemälde von Salzburg gab es mehrere Ansichten, die jedoch nicht zugeordnet werden können. Welchen Grund gab es nun Städte wie Salzburg abzubilden? Chams Stadtarchivar Bullemer vermutet, dass Orte, mit denen Cham Handel getrieben hat, auf den Wandgemälden abgebildet wurden. Eine weitere mögliche Erklärung, warum gerade in Cham dieses Wandgemälde entstanden ist, ist möglicherweise die räumliche Nähe zur damaligen „Weltstadt“ Nürnberg (um 1500 war Nürnberg nach Köln und Prag die drittgrößte Stadt im Heiligen Römischen Reich, weit vor Wien oder gar Berlin). Über den Fluss Regen gab es eine Anbindung von Cham an Regensburg. Von dort aus gab es Handelswege nach Nürnberg. Auch stammt die Schedelsche Weltchronik aus Nürnberg.

Besuch als bedeutsamer Schritt

Für Magister Mario Scheiber, Historiker und Büroleiter im Salzburger Landtag, ist das Gemälde in Cham von großem Wert. Dem Zweite Präsident des Salzburger Landtags, Dr. Sebastian Huber, einem gebürtigen Salzburger, liegt es am Herzen, diese historische Abbildung seiner Stadt allen Salzburger Bürgerinnen und Bürgern zugänglich zu machen. Auch mit Historikern im Land hat er schon Kontakt aufgenommen und über die Darstellung informiert. Wichtig sei nun, dass die Forscher herausfinden, warum dieses Gemälde ausgerechnet in Cham zu sehen ist und wie es dazu kam. Ein Bestreben sei es nun, so Dr. Huber, auch die Universitäten und Forschung in Salzburg über diese historisch sensationelle Bebilderung zu informieren. Es gehe nun darum, dass Salzburger Historiker das Chamer Gemälde weiter erforschen. Der Besuch sei nun ein erster, bedeutsamer Schritt.

Touristisches Potenzial?

Auch bei der Stadt Cham gibt es nun große Hoffnungen: Das Bild könnte weit mehr sein, als ein bedeutsamer historischer Fund. Europaausschussvorsitzender Tobias Gotthardt hofft, dass sich aus diesem Termin heraus noch mehr entwickelt. Die Stadt Cham sei ein Schmuckstück – und habe mit dem historischen Gemälde wohl ein bislang unentdecktes Juwel. Referent für Städtepartnerschaften Frank Aumeier hofft, dass der Termin in Salzburg der Anfang weiterer, freundschaftlicher Kontakte ist. Hierfür könne das Sekko eine wichtige und wertvolle Grundlage bilden. Auch touristisch könnte das Gemälde großes Potenzial bringen. Weitere Austauschgespräche sind geplant und auch eine Einladung an die Chamer zum Gegenbesuch in Salzburg ausgesprochen. Ein Besuch, der ebenfalls von großem Wert gewesen sein könnte.

pm/LS