Antikörper-Studie in Regensburg: „Herdenimmunität“ nicht bestätigt – Antikörper nur selten nachweisbar

Mitte März waren in der Klinik St. Hedwig in Regensburg mehrere Hebammen am Coronavirus erkrankt. Eine dieser Frauen hatte in Tirol Urlaub gemacht, bevor bekannt wurde, dass es ein Risikogebiet ist. Weitere Mitarbeiter hatten sich dann infiziert. Die Klinik hat diese Situation aber auch für eine Antikörper-Studie genutzt – mit überraschendem Ergebnis.

Die Forderung nach einer Lockerung oder gar Aufhebung der Corona bedingten Einschränkungen und Sicherheitsbestimmungen wird in allen Teilen der Gesellschaft lauter. Insbesondere die Gegner des Lockdown verweisen in diesem Zusammenhang auf die so genannte „stille Durchseuchung“. Demnach würden unbemerkte und symptomfreie Corona-Erkrankungen automatisch zu Immunität führen – und so eine Gesellschaft mittel- bis langfristig schützen. Dieser Annahme kann eine Regensburger Studie am Krankenhaus Barmherzige Brüder so nicht bestätigen.

Hintergrund der Untersuchung war ein Corona-Ausbruch unter Medizinern und Pflegepersonal mit 36 infizierten Mitarbeitern in der Klinik St. Hedwig. Sofortige Schutzmaßnahmen, Quarantänen und eine strenge Überwachung machten möglich, die Versorgung der Patienten trotzdem stets sicherzustellen. Gleichzeitig wurden die Krankheitsverläufe der Infizierten in einer Studie genau dokumentiert, ihre Kontaktpersonen innerhalb der Klinik in zwei Gruppen zu beobachten und ihnen Klinikpersonal ohne nachweisbaren Kontakt gegenüberzustellen. Im Mittelpunkt stand für Kabesch die Frage, ob und wie hoch die infizierten Mitarbeiter nach der Erkrankung Antikörper gebildet hatten – und inwieweit sich unter den Kontaktpersonen der Erkrankten eine Herdenimmunität entwickeln konnte.

 

Regensburger Studienergebnisse sind ernüchternd

„Schon bei den Covid-19-Erkrankten hat ein Viertel der Betroffenen keine nachweisbaren Antikörper gebildet“, so Professor Kabesch. „Und in der Gruppe mit engem Kontakt zu den Infizierten konnten wir nur in einem einzigen Fall IgG Antikörper im Blut feststellen.“ Damit mahnt die Regensburger Untersuchung weiter zur Vorsicht. Auch wenn Antikörper nicht der einzige Mechanismus zur Immunität sind und die derzeitigen Tests noch Fragen aufwerfen, geben Sie generell doch gute Auskunft über ein Infektionsgeschehen.

Vermutungen zur Immunität bei Corona Infektionen, wie sie immer wieder geäußert werden, reichen nicht aus, wenn es darum geht Menschen wirksam zu schützen. Das kann nicht in einem Experiment getestet werden. „Für uns ist durch diese Studie jedenfalls klar, dass wir bei Mitarbeitern unsere Schutzmaßnahmen auch nach einer durchgemachten Covid-19 Infektion aufrechterhalten“, so das Fazit von Kabesch. „Denn ohne nachweislicher Immunisierung können wir nach aktuellem Stand der Forschung keine Entwarnung geben“. Und auch das Ausmaß einer möglichen Durchseuchung bleibt weiter unklar. Belastbare Beweise fehlen auch hier.

 

Weitere Informationen:

Die Ergebnisse der Regensburger Studie mit dem Titel „Symptoms and immunoglobulin development in hospital staff exposed to a SARS-CoV-2 outbreak” wurden kürzlich erstmals im Fachmagazin Pediatric Allergy and Immunology veröffentlicht.

Pressemitteilung Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg / MB