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Aiwanger: 2020 war „katastrophales Jahr“ für den Tourismus

Der Corona-Lockdown hat im vergangenen Jahr die Tourismusbranche hart getroffen. In Bayern ist der Tourismus 2020 stark eingebrochen – viele Betriebe bangen um ihre Existenz. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat mehrmals gefordert, dass vor allem die Hotels und Skilifte bald wieder öffnen können. Er spricht von einem katastrophalen Jahr. Zusammen mit Vertretern der Branche wurde heute die Tourismusbilanz des Krisenjahres 2020 vorgestellt.  

„Für den Tourismus in Bayern war 2020 mit Ausnahme einiger Sommermonate ein katastrophales Jahr. Zwei Lockdowns, von denen einer noch immer andauert, haben die Branche stellenweise fast vollständig zum Erliegen gebracht.“ – Hubert Aiwanger, Bayerischer Wirtschaftsminister

Der Minister forderte bei der Vorstellung der Tourismusbilanz 2020 vom Bund, auch für touristische Einrichtungen eine faire, faktenbasierte Öffnungsperspektive zu erarbeiten. Auch Einrichtungen wie Seilbahnen könnten in den nächsten Wochen verantwortbar mit guten Konzepten wieder geöffnet werden. Schrittweise müssten Hotellerie und Gastronomie folgen. „Die Tourismusbranche leidet besonders stark unter den Corona-Maßnahmen, viele Mitarbeiter kündigen angesichts der Perspektivlosigkeit. Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Bayern.“

Von der Bundesregierung fordert Aiwanger Rahmenbedingungen, die den Betrieben ein erfolgreiches Wirtschaften ermöglichen: „Der Bund muss den steuerlichen Verlustrücktrag auf mehrere Jahre ausweiten und die Spielräume der europäischen Arbeitszeitrichtlinie nutzen. Auch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz, der dankenswerterweise jetzt bis Ende 2022 verlängert wurde, muss dauerhaft beibehalten und auf Getränke ausgedehnt werden.“

Aiwanger fordert außerdem, die Rest-Skisaison diesen Winter noch zu nutzen. Es sollte möglich sein, in den nächsten Wochen mit einer Online-Buchung und Maskenbenutzung die Skigebiete zu öffnen, sagte der Wirtschaftsminister. Die Zahl der Wintersportler sollte dabei auf den jeweiligen Pisten beschränkt werden, um eine Ansteckungsgefahr zu vermeiden.

 

Tourismusbilanz ist erschütternd

Die Bilanz des Tourismus in Bayern 2020: Die Zahl der Gästeankünfte ist im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um 50,4 Prozent eingebrochen. Statt 40 Millionen reisten nur rund 19,8 Millionen Personen an. Die Zahl der Übernachtungen sank von rund 101 Millionen auf knapp 60 Millionen, das entspricht einem Rückgang von 40,6 Prozent.

Von dem Rückgang sind alle bayerischen Tourismusregionen betroffen, die Spannbreite reicht bei den Gästeankünften von Minus 42,7 Prozent in Allgäu/Bayerisch-Schwaben bis Minus 55,7 Prozent in München-Oberbayern. Besonders stark war der Einbruch in den Städten, die unter der starken Reduzierung von Geschäftsreisen sowie den Absagen von Messen und Events gelitten haben. Im Gegensatz dazu – eine der wenigen guten Nachrichten des vergangenen Tourismusjahres – konnten vor allem die ländlichen Regionen ein paar ordentliche Sommermonate verbuchen.

 

„Urlaub dahoam“ für 2021

Aiwanger setzt deshalb auch für dieses Jahr auf eine starke Sommersaison: „Mit dem ‚Urlaub dahoam‘  ist es Bayern schon im vergangenen Jahr gelungen, neue Zielgruppen wie junge Menschen und Familien als Gäste zu gewinnen und so den weggefallenen Auslandtourismus durch heimische Nachfrage teilweise zu kompensieren. Es zahlt sich aus, dass wir schon vor Corona mit den Themen Authentizität, Regionalität und Umweltverträglichkeit auf Zukunftstrends im Tourismus gesetzt haben. Urlaub in Bayern ermöglicht Eintauchen in unsere Kultur und Lebensart – in Stadt und Land. Hinzu kommt: Urlaub in Bayern wird seit jeher als sehr sicher wahrgenommen. Diese Einschätzung der Gäste hat sich in der Corona-Krise bestätigt und ist ein wichtiges Plus im Wettbewerb der Destinationen.“

 

Gastgewerbe in „schwerster Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“

„Das bayerische Gastgewerbe befindet sich unverschuldet in der schwersten Krise seit dem zweiten Weltkrieg, derzeit sehen über 74 Prozent ihren Betrieb durch die Corona-Krise in seiner Existenz gefährdet, 24 Prozent denken bereits konkret über eine Betriebsaufgabe nach. Umso wichtiger war das Signal, die Reduzierung des Umsatzsteuersatzes auf Speisen zu verlängern. Hierdurch werden die Unternehmen in die Lage versetzt, nach einer Öffnung wieder Verluste auszugleichen, Schulden zu tilgen, gestundete Beiträge zu begleichen und wieder in eine Altersvorsorge, die oftmals im Rahmen des Überlebenskampfes aufgelöst werden musste, zu investieren. Hier kämpfen wir weiter für eine Entfristung auch nach 2022 und einen Einbezug von Getränken. Zugleich bedarf es jetzt aber auch dringend eines verlässlichen, transparenten Öffnungskonzeptes, das Planungssicherheit schafft.

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband plädiere außerdem dringend für ein verlässliches, transparentes Öffnungskonzept, dass Planungssicherheit schaffe, sich die Präsidentin. „Ziel müssen erkenntnisbasierte Kriterien sein, die auch eine Differenzierung auf Basis der vorgehaltenen Hygiene- und Schutzkonzepte ermöglichen. Jetzt ist es an der Zeit, die Rahmenbedingen so zu verändern, dass Unternehmer sich aus eigener Kraft erholen können.“

 

Heilbäder und Kurorte wollen Gesundheitsangebite für Corona-Erkrankte

Bei den Bayerischen Heilbädern und Kurorten waren es 2020 40,7 Prozent weniger Ankünfte (3,4 Millionen) und auch bei den Übernachtungen gebe es ein dickes Minus von 32,1 Prozent (16,5 Millionen Übernachtungen) im Vergleich zum Vorjahr, so Alois Brundobler, Vorsitzender des Bayerischen Heilbäder-Verbandes. Trotzdem werde man weiterhin Investieren und das Gesundheitsangebot ausbauen, auch in Hinsicht auf die Genesung von Corona-Patienten.

„Das sind dramatische Zahlen für die Heilbäder und Kurorte. Viele Kommunen sind in existenziellen Nöten. Dennoch stecken wir den Kopf nicht in den Sand – wir arbeiten an der Weiterentwicklung des Gesundheitstourismus. Die Covid-19-Pandemie hat uns allen gezeigt: Gesundheit, Prävention und Rehabilitation sind die Mega-Themen in unserer Gesellschaft, auch für die Wirtschaft. Die bayerischen Heilbäder und Kurorte haben in den vergangenen Jahren kräftig investiert, allein zwischen 2014 bis 2016 waren es über 200 Millionen Euro. Diesen Weg gehen wir weiter. Mit wissenschaftlich begleiteten und erforschten Gesundheitsangeboten, mit neuen digitalen Projekten, mit Präventionsangeboten, die auf Berufsgruppen zugeschnitten sind. Und wir werden und müssen Rehabilitationsprogramme für Menschen entwickeln, die nach einer Corona-Erkrankung noch lange mit diversen Symptomen zu kämpfen haben. Gesundheitskompetenz ist unser Alleinstellungsmerkmal und die Stärke der bayerischen Heilbäder und Kurorte, das wollen wir behalten.“ – Alois Brundobler, Vorsitzender des Bayerischen Heilbäder-Verbandes

 

Starkes Marketing als Erfolgsrezept für Tourismus?

„Die Corona-Krise hat den Tourismus schwer getroffen. Sie hat uns gezeigt, wo unsere Schwächen liegen, aber auch, in welchen Bereichen wir schon sehr gut sind. Diese Erkenntnisse wollen wir nutzen, um die Krise nicht einfach nur zu überstehen, sondern an ihr zu wachsen. Wir wollen den Tourismusstandort Bayern für die Zukunft auf noch resilientere Beine stellen. Deshalb setzen wir auch in Zukunft auf ein starkes Marketing und eine starke Kommunikation für das Reiseland Bayern. Und wir investieren verstärkt in die Digitalisierung des bayerischen Tourismus, die Vernetzung mit und innerhalb der Branche und die nachhaltige Entwicklung unserer bayerischen Destinationen. Wir sind überzeugt, dass wir mit diesem Vorgehen den Erfolg des Reiselandes Bayern langfristig sichern werden.“ – Barbara Radomski, Geschäftsführerin der BAYERN TOURISMUS Marketing GmbH

Prof. Dr. Jürgen Schmude, Direktor des Departments für Geographie an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist sich sicher, dass die Corona-Pandemie die bayerische Tourismuswirtschaft dauerhaft verändern werde, sowohl beim Angebot als auch bei der Nachfrage. „Auf der Angebotsseite werden unter anderem ’sichere‘ Produkte an Bedeutung gewinnen und neue Geschäftsmodelle entstehen. Auf der Nachfrageseite wird sich das touristische Verhalten zumindest teilweise ändern, wobei das Reisebedürfnis und die die Reiselust ungebrochen bleiben.“

 

Das „Corona-Jahr“ 2020 in Zahlen

Die dem Bayerischen Landesamt für Statistik nun vorliegenden, endgültigen Ergebnisse zur Monatserhebung im Tourismus für Dezember und das Jahr 2020 spiegeln die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Tourismusjahr und die im Dezember 2020 geöffneten 7 245 Beherbergungsbetriebe in Bayerndeutlich wider. Sprach man im Vorjahr noch von neuen Rekordwerten für Bayerns Tourismus, sind die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie, trotz zeitweiser Lockerungen insbesondere in den Monaten Mai bis Oktober, nun umso drastischer sichtbar. So gingen die Ankunftszahlen um 50,4 Prozent auf rund 19,8 Millionen und die Übernachtungszahlen um 40,6 Prozent auf rund 60,0 Millionen zurück. Dabei entfielen 85,4 Prozent der Gästeankünfte (2019: 74,8 Prozent) und 88,2 Prozent der Übernachtungen (2019: 79,3 Prozent) auf Gäste aus dem eigenen Land.

Die größten Einbußen im Vergleich zum Vorjahr mussten im Jahr 2020 die Regierungsbezirke Oberbayern mit einem Minus von 55,4 Prozent bei den Gästeankünften und -44,7 Prozent bei den Übernachtungen sowie Mittelfranken mit 54,5 Prozent weniger Gästeankünften und 47,9 Prozent weniger Übernachtungen hinnehmen. Auch alle anderen Regierungsbezirke lagen sowohl bei den Gästeankünften, als auch bei den Übernachtungen durchgehend im negativen, zweistelligen Bereich. Die geringsten Verluste verzeichnete dabei noch Schwaben (Gästeankünfte: -42,7 Prozent; Übernachtungen: -31,2 Prozent).

Konnten sich im Jahr 2019 noch acht Gemeinden über Übernachtungszahlen oberhalb der Millionengrenze freuen, hat sich deren Anzahl 2020 halbiert. Lediglich München (7,0 Millionen), Nürnberg (1,5 Millionen), Oberstdorf (1,5 Millionen) und Bad Füssing (1,1 Millionen) knackten noch die Millionengrenze. Dennoch waren auch hier die Einbußen beträchtlich. Am stärksten traf es die bayerischen Großstädte, allen voran München mit dem größten Minus bei Gästeankünften (-65,8 Prozent) und Übernachtungen(-61,5 Prozent).

Der Trend zum Aufenthalt auf Campingplätzen bleibt, der Krise zum Trotz, ungebrochen. Dies reichte im Jahr 2020 zwar nicht für eine positive Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr, aber immerhin für die vergleichsweise geringsten Rückgänge unter den Betriebs-arten (Gästeankünfte: -22,7 Prozent; Übernachtungen: -12,6 Prozent). Schlechter traf es die Jugendherbergen und Hütten, welche die größten Einbrüche verzeichneten (Gäste-ankünfte: -65,1 Prozent; Übernachtungen: -61,7 Prozent). Klassische Hotels verbuchten ein um 55,1 Prozent niedrigeres Gästeaufkommen (Übernachtungen: -48,9 Prozent).

Die drei Tourismusregionen mit den geringsten Rückgängen bei den Gästeankünften waren das Chiemsee-Chiemgau (-27,3 Prozent; Übernachtungen: -14,4 Prozent), das Fränkische Seenland (-32,1 Prozent; Übernachtungen: -23,1 Prozent) und die Zugspitz-Region (-36,8 Prozent; Übernachtungen: -22,2 Prozent). Die Tourismusregionen Landeshauptstadt München und Münchener Umland verzeichneten dagegen die deutlichsten Einbrüche bei den Gästeankünften.

In Ostbayern sind 2020 etwas über 3 Millionen Gäste gekommen, das sind 43,6 Prozent weniger, also noch 2019. Auch bei den Übernachtungszahlen sieht es ähnlich aus (-37,2).

 

Ostbayern insgesamt / Prozent im Vergleich zum Vorjahr
Gästeankünfte: 3.116.943 / -43,6 Prozent
Übernachtungen: 11.150.577 / -37,2 Prozent

Bayerischer Wald / Prozent im Vergleich zum Vorjahr
Gästeankünfte: 1.241.628 / -36,9 Prozent
Übernachtungen: 5.065.581 / -30,7 Prozent

Oberpfälzer Wald / Prozent im Vergleich zum Vorjahr
Gästeankünfte: 247.749 / -42,7 Prozent
Übernachtungen: 779.768 / -30,7 Prozent

Bayerischer Jura / Prozent im Vergleich zum Vorjahr
Gästeankünfte: 318.507 / -43,4 Prozent
Übernachtungen: 713.918 / -40,1 Prozent

Bayerisches Golf- und Thermenland / Prozent im Vergleich zum Vorjahr
Gästeankünfte: 975.281 / -48,8 Prozent
Übernachtungen: 3.992.663 / -42,9 Prozent

Ostbayerische Städte / Prozent im Vergleich zum Vorjahr
Gästeankünfte: 768.701 / -49,3 Prozent
Übernachtungen: 1.515.646 / -43,9 Prozent
 

Bayerisches Wirtschaftsministerium/dpa/Bayerisches Landesamt für Statistik/MB