1. Mai: Demonstrationen zum Tag der Arbeit online

Durch die Corona-Krise sind auch alle Maikundgebungen für kommenden Freitag abgesagt worden. Trotzdem ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund zu Demonstrationen auf – aber online. Unter dem Motto „Solidarisch ist man nicht alleine!“ findet der Tag der Arbeit 2020 im Netz statt.

Für den Regionsgeschäftsführer des DGB in der Oberpfalz, Christian Dietl, ist klar:  „Gesundheit hat Vorrang!“ Natürlich wären die Gewerkschaften auch in diesem Jahr gerne gemeinsam auf die Straße gegangen.  Doch der Schutz der Gesundheit und des Lebens der Kolleginnen und Kollegen sei das Wichtigste.

Das diesjährige Maimotto könnte daher nicht passender sein. Der Begriff ‚Solidarität‘ ist in Zeiten von Corona allgegenwärtig. Dieser Begriff müsse aber auch mit Leben gefüllt werden. Viele Menschen fürchteten gerade um ihre Existenz. Unter dem Vorwand der Pandemiebekämpfung werde an sozialen Errungenschaften gesägt, etwa durch die vorübergehende Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes.

„Das entspricht nicht unserem Verständnis von Solidarität. Daher müssen wir jetzt mehr denn je für unsere Rechte streiten, uns einmischen und weiterhin solidarisch agieren. Hierfür ist der 1. Mai unverzichtbar – wenn auch in diesem Jahr in veränderter Form.“ so Dietl.

Am 1. Mai ab 11 Uhr startet ein Livestream auf der Website des DGB (www.dgb.de/erstermai) mit Live-Acts von Künstler*innen, mit Talks und Interviews sowie mit Solidaritätsbotschaften aus ganz Deutschland. Außerdem werden bayernweit zahlreiche Aktionen in den sozialen Medien wie Facebook oder Instagram stattfinden: Die bayerischen DGB-Regionen haben ein buntes und vielfältiges Programm auf die Beine gestellt. In der Oberpfalz haben Mairednerinnen und Mairedner, aktive Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter und die DGB-Jugend Videobotschaften online gestellt.

„Durch kreative Aktionen und spannende Formate wird es uns auch in diesem Jahr gelingen, unsere Forderungen deutlich zu machen“, betont Dietl.

 

Dass die Forderungen der Gewerkschaften nach wie vor Gehör finden, zeige sich Dietl zufolge in den neuen Beschlüssen der Großen Koalition zur Erhöhung des Kurzarbeitergeldes: „Die aktuelle Krise hat massive Auswirkungen auf Beschäftigte. Hunderttausende sind mittlerweile in Kurzarbeit – für die meisten von ihnen dürften 60 bzw. 67 Prozent des vorherigen Nettolohns nicht zum Leben reichen. Daher begrüßen wir grundsätzlich die beschlossene Anhebung des Kurzarbeitergeldes für die Beschäftigten, deren Arbeitszeit aktuell um mindestens 50 Prozent reduziert ist.“ Problematisch sei allerdings, dass die Erhöhungen erst ab dem 4. (70/77 Prozent) bzw. dem 7. Monat (80/87 Prozent) vorgesehen sind: „Es ist fraglich, ob gerade Niedrigverdienende so lange auf die dringend benötigte Unterstützung warten können. Hier wäre eine sofortige Erhöhung auf 80 Prozent angebracht.“

Während die einen in Kurzarbeit gehen müssten und um ihre Existenz fürchten, steige in Berufen des Gesundheitswesens, im Handel, bei Logistik, Polizei und in vielen anderen Bereichen die Arbeitsbelastung massiv an. Dietl bekräftigte die Forderung nach besserer Bezahlung und Anerkennung: „Von Applaus alleine kann niemand seine Miete bezahlen.“ Gleichzeitig warnte er davor, unter dem Vorwand der Coronakrise Arbeitsschutzvorschriften außer Kraft zu setzen: „Allen Versuchen, soziale Errungenschaften zu schleifen, werden sich die Gewerkschaften vehement entgegenstellen!“

 

Pressemitteilung DGB Oberpfalz