Nürnberg (ddp-bay). Mit seinem Eintreten für die künftige Delfin-Lagune im Nürnberger Tiergarten stößt Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) bei Tierschützern auf heftigen Widerspruch. Söder hatte gelobt: «Hier wird auf vorbildliche Art der natürliche Lebensraum der Delfine nachempfunden.» Der Zoo leiste mit dem Bau einen ganz besonderen Beitrag für die artgerechte Haltung der Tiere.
Laura Zimprich von der Tierschutzorganisation animal public kritisierte diese Aussage Söders: «Den Besuchern soll hier nur ein natürlicher Lebensraum vorgegaukelt werden. In Wahrheit ist die Anlage in Nürnberg weit davon entfernt.» Die Lagune werde nur eine «geringfügige Verbesserung» für die jetzt in Nürnberg lebenden Delfine bringen. «Das ist eine rein kommerzielle Sache und hat mit Artenschutz nichts zu tun», kritisierte Zimprich.
Bis Juni 2011 soll nach Angaben des Tiergartens die Lagune fertiggestellt sein. Die Kosten belaufen sich auf mindestens 24 Millionen Euro. Das Projekt beinhaltet auch Becken für die Tiere unter freiem Himmel. Bis zu 14 Delfine sollen dort künftig untergebracht werden können. Derzeit leben nach Angaben von Zoo-Sprecherin Nicola Mögel sieben Tiere in den alten Becken, drei wurden vorübergehend in einem niederländischen Delfinarium untergebracht.
Zimprich befürchtet, dass in der Zukunft neue Wildtiere gefangen werden, um die Bestände zu erhalten. Die Nachzuchtprogramme seien europaweit gescheitert. Seit 1971 sind in Nürnberg 30 Delfine gestorben. Binnen rund drei Jahren gab es dort sieben tote Delfinbabys. Die Tierschützerin verwies darauf, dass Delfine in der Natur in großen Gruppen zusammenleben, weite Entfernungen zurücklegen und als Raubtiere ihre Beute selbst jagen. Dies alles sei in Zoos nicht gewährleistet.
Tierpark-Sprecherin Mögel erwiderte, es sei Aufgabe der Zoos, «Tiere den Menschen nahe zu bringen». Gerade Delfine würden von Tierfreunden anders wahrgenommen, als zum Beispiel Huftiere wie Giraffen. Der Zoo halte trotz der Kritik weiter am Bau der Lagune fest. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten ergeben, dass die Delfine in Nürnberg nicht unter Stress stünden. Künftig sollen auch die Möglichkeiten der Delfintherapie für Kranke und Behinderte verbessert werden.
Umweltminister Söder will sich am Donnerstagvormittag im Zoo über den Fortschritt des Bauprojekts und die Bedeutung der Delphin-Lagune als Erholungs- und Bildungsstätte für die Besucher informieren, wie sein Ministerium mitteilte. Vor einem Gespräch mit Direktor Dag Encke nimmt Söder zudem an der Fütterung der Delfine teil.
(ddp)