Neue Details im Fall Tennessee Eisenberg - Demo am Samstag
Im Fall des von der Polizei erschossenen Regensburger Musikstudenten Tennessee Eisenberg kehrt keine Ruhe ein: Nach einem Medienbericht widerlegt die Zeugenaussage eines am Einsatz beteiligten Polizisten die Notwehrthese. Indes ist für Samstag eine Demo in Regensburg geplant.
Wie Der Spiegel in seiner heutige Ausgabe berichtet, stütze die Zeugenaussage eines Polizisten das Privatgutachten, wonach Tennessee Eisenberg nicht wie von der Polizei behauptet aus Notwehr durch Einsatzkräfte getötet wurde. So hätte sich Eisenberg im Treppenhaus trotz Pfefferspray- und Schlagstockeinsatz auf den Polizisten zubewegt und ihn mit dem Messer erreichen können, ehe die ersten Schüsse fielen. Als Eisenberg sich weggedreht habe, hätte der Polizist aus dem Haus flüchten können.
Das von der Familie in Auftrag gegebene Gutachten besagt, dass Tennessee Eisenberg erst durch die letzten vier von insgesamt 12 Schüssen getötet wurde. Die Polizeibeamten hätten sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Gefahr befunden. Die Anwälte der Familie verlangen nun, dass ein weiterer Rechtsmediziner aus einem anderen Bundesland den Fall noch einmal untersucht. Das Vertrauen der Familie in die bayerischen Ermittlungsbehörden sei nachhaltig gestört, erklärten die Anwälte.
Laut Medienberichten habe nun auch ein Mann aus Nordrheinwestfalen Strafanzeige gegen zwei der am Einsatz beteiligten Polizeibeamten wegen Verdachts auf Totschlag gestellt. Aus Sorge dass bei den Ermittlungen etwas unter den Tisch gekehrt werden könnte, soll der Mann die Strafanzeige nicht bei der Regensburger Staatsanwaltschaft eingereicht haben sondern beim Münchner Generalstaatsanwalt - zusammen mit der Aufforderung, den Regensburger Behörden den Fall ein für alle mal zu entziehen.
Bei der Generalstaatsanwaltschaft München will man von einer derartigen Anzeige bisher nichts gehört haben. Außerdem liege die gerichtliche Zuständigkeit für Regensburg bei der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg. Dorthin werde man die Strafanzeige gegebenenfalls weiterleiten, so ein der Sprecher gegenüber TVA.
Am kommenden Samstag wird eine Demonstration vom Regensburger Domplatz aus zum Justizgebäude ziehen. Die Demo startet um 15 Uhr und fordert „das Gerichtsverfahren zu eröffnen, damit das Vertrauen der Öffentlichkeit in einen neutral geführten Fall wieder hergestellt wird“, so der Organisator in einer Pressemitteilung.