Bayern
Mittwoch, 15. April 2009 10:12
Umweltminister lobt künftige Delfin-Lagune in Nürnberg als vorbildlich
Nürnberg (ddp-bay). Mit seinem Eintreten für die künftige
Delfin-Lagune im Nürnberger Tiergarten stößt Bayerns Umweltminister
Markus Söder (CSU) bei Tierschützern auf heftigen Widerspruch. Söder
hatte gelobt: «Hier wird auf vorbildliche Art der natürliche
Lebensraum der Delfine nachempfunden.» Der Zoo leiste mit dem Bau
einen ganz besonderen Beitrag für die artgerechte Haltung der Tiere.
Laura Zimprich von der Tierschutzorganisation animal public
kritisierte diese Aussage Söders: «Den Besuchern soll hier nur ein
natürlicher Lebensraum vorgegaukelt werden. In Wahrheit ist die
Anlage in Nürnberg weit davon entfernt.» Die Lagune werde nur eine
«geringfügige Verbesserung» für die jetzt in Nürnberg lebenden
Delfine bringen. «Das ist eine rein kommerzielle Sache und hat mit
Artenschutz nichts zu tun», kritisierte Zimprich.
Bis Juni 2011 soll nach Angaben des Tiergartens die Lagune
fertiggestellt sein. Die Kosten belaufen sich auf mindestens 24
Millionen Euro. Das Projekt beinhaltet auch Becken für die Tiere
unter freiem Himmel. Bis zu 14 Delfine sollen dort künftig
untergebracht werden können. Derzeit leben nach Angaben von
Zoo-Sprecherin Nicola Mögel sieben Tiere in den alten Becken, drei
wurden vorübergehend in einem niederländischen Delfinarium
untergebracht.
Zimprich befürchtet, dass in der Zukunft neue Wildtiere gefangen
werden, um die Bestände zu erhalten. Die Nachzuchtprogramme seien
europaweit gescheitert. Seit 1971 sind in Nürnberg 30 Delfine
gestorben. Binnen rund drei Jahren gab es dort sieben tote
Delfinbabys. Die Tierschützerin verwies darauf, dass Delfine in der
Natur in großen Gruppen zusammenleben, weite Entfernungen zurücklegen
und als Raubtiere ihre Beute selbst jagen. Dies alles sei in Zoos
nicht gewährleistet.
Tierpark-Sprecherin Mögel erwiderte, es sei Aufgabe der Zoos,
«Tiere den Menschen nahe zu bringen». Gerade Delfine würden von
Tierfreunden anders wahrgenommen, als zum Beispiel Huftiere wie
Giraffen. Der Zoo halte trotz der Kritik weiter am Bau der Lagune
fest. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten ergeben, dass die
Delfine in Nürnberg nicht unter Stress stünden. Künftig sollen auch
die Möglichkeiten der Delfintherapie für Kranke und Behinderte
verbessert werden.
Umweltminister Söder will sich am Donnerstagvormittag im Zoo über
den Fortschritt des Bauprojekts und die Bedeutung der Delphin-Lagune
als Erholungs- und Bildungsstätte für die Besucher informieren, wie
sein Ministerium mitteilte. Vor einem Gespräch mit Direktor Dag Encke
nimmt Söder zudem an der Fütterung der Delfine teil.
(ddp)