Überregional
Samstag, 5. Januar 2008 00:00
Das strikte Nichtraucherschutzgesetz in Bayern bringt auch die Brauwirtschaft im Freistaat unter Druck. Betroffen von dem Rauchverbot seien vor allem Wirtshäuser und Eckkneipen mit einem im Vergleich zu Speisegaststätten traditionell größeren Bierausschank, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, Lothar Ebbertz, der Deutschen Presse-Agentur dpa in München.
Wenn in solchen Betrieben die Gäste weniger konsumieren oder ganz ausbleiben, schlage das auch auf die Brauer durch: «Das ist ein Rattenschwanz. Wir sehen schon, dass wir entsprechende Absatzeinbußenhaben werden», sagte Ebbertz.
Gut ein Viertel ihres Absatzes erzielen die bayerischen Brauer bei Gastronomie-Betrieben. Gerade bei kleinen und mittelständischen Brauereien gehe ein größerer Anteil des Bier-Ausstoßes an Wirtshäuser und Kneipen, sagte Ebbertz. Doch auch die stärker exportorientierten Groß-Brauereien hätten bereits die Rauchverbote in anderen Bundesländern und im Ausland zu spüren bekommen. Auch die vergleichsweise schwache Ertragskraft der deutschen Brauwirtschaft gerate so weiter unter Druck. «Da tut jeder Hektoliter weh, den Sie verlieren», sagte Ebbertz.
Manche Unternehmen stellten sich auf befürchtete Umsatzeinbußen bereits mit einer Anpassung ihrer Investitionspläne ein. Auch zu Einsparungen beim Personal könnte es kommen. Im vergangenen Jahr haben die bayerischen Brauer nach einer ersten Einschätzung in etwa den Absatz von 23,5 Millionen Hektoliter aus demFußball-WM-Jahr 2006 halten können. Dabei habe ein positives Exportergebnis den Dämpfer durch den verregneten Sommer wohl in etwa ausgleichen können, sagt Ebbertz. Einschätzungen zum Orderverhalten der Gastwirte könne man erst ab Ende Januar abgeben, da viele Gastronomen über Weihnachten und den Jahreswechsel mehr Bier bevorraten als üblich und die Wintertouristen erst allmählich zurückkehren.
Gemeinsam mit den Gastwirten will der Brauerbund auch weitere Aktivitäten gegen das strikte Rauchverbot starten. «Es ist ein solidarischer Schulterschluss der Betroffenen gefragt», sagte Ebbertz. Die geplanten Verfassungsbeschwerden der Wirte gegen das Nichtraucherschutzgesetz hält er «für durchaus sinnvoll». Als «nicht glorreich» kritisierte Ebbertz, der selbst Nichtraucher ist, die unterschiedlichen Regelungen in den verschiedenen Bundesländern.«Rauchen ist in Bayern nicht schädlicher als in Baden-Württembergoder Hessen.»
dpa